Sport : „Mehr war nicht drin“

Klaus Eberhard über den Fedcup, seine Nachfolgerin Barbara Rittner und das neue Amt als Sportdirektor

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Herr Eberhard, im Januar werden Sie neuer Sportdirektor des DTB. War Ihnen der Job als FedcupChef zu stressig?

Nein, die Arbeit wird nicht weniger, sie verlagert sich. Aber ich kann nicht sagen, dass die letzten beiden Jahren nur Freude waren. Die Fedcupspiele selbst haben mir immer Spaß gemacht. Andererseits gab es teilweise ein bisschen Unruhe.

Was meinen Sie?

Dass sich Anca Barna beschwert hat, sie würde vom DTB nicht ausreichend unterstützt, und wir hätten ihre Teilnahme an Olympia verhindert. Dabei ist das Gegenteil ist der Fall. Beim Nationalen Olympischen Komitee haben wir sogar eine Wildcard für sie beantragt. Die Vorwürfe sind an den Haaren herbeigezogen.

Jetzt wird Barbara Rittner Ihre Nachfolgerin. Erleichtert das den Neuanfang?

Es ist eine Chance. Barbara Rittner kennt alle Spielerinnen sehr, sehr gut. Und dass sie hoch motiviert ist, steht wohl außer Frage. Ich erwarte jetzt, dass die Spielerinnen, die nicht mehr im Fedcup antreten wollen, den ersten Schritt tun. Dass sie auf Barbara zugehen und ihre Unzufriedenheit aufgeben.

Rittner hat den Fedcup als Spielerin immer sehr ernst genommen.

Das stimmt. Barbara hat sich immer unheimlich mit der Sache identifiziert. Aber das ist nicht ungewöhnlich. Spieler, die mehr Erfahrung haben, wissen solche Mannschaftswettbewerbe sehr viel mehr zu schätzen als jüngere, die sich stärker auf die Weltrangliste konzentrieren. Das sieht man auch bei Nicolas Kiefer und Thomas Haas, die jetzt diesen absoluten Daviscupwillen haben. Bei den Damen habe ich das ein bisschen vermisst.

War es Ihre Idee, Rittner zu Ihrer Nachfolgerin zu machen?

Nein, dazu habe ich wenig beigetragen. Es gab, glaube ich, auch keine große Diskussion. Barbara Rittner hat schon immer signalisiert, dass sie das Amt nach dem Ende ihrer Karriere übernehmen könnte. Vor zwei Jahren gab es schon die Überlegung, dass sie es mit Anke Huber zusammen macht. Das ist daran gescheitert, dass Barbara damals noch gespielt hat.

Jetzt beendet sie mit 31 Jahren ihre Karriere. Ist ihr das schwer gefallen?

Ich glaube schon. Sie hat eine große Liebe zu diesem Sport. Aber zuletzt wurde Barbara immer öfter von Verletzungen geplagt. Dass sie deswegen nicht mehr mithalten konnte, hat ihr sehr weh getan.

Wie bewerten Sie die Perspektiven der Deutschen im Fedcup?

Es wäre wichtig, dass ein paar junge Spielerinnen hinzukommen. Mit dem aktuellen Kader gehören wir zwar zu den besten 16 der Welt, aber mehr, als gegen den Abstieg zu spielen, war nicht zu machen.

Aber Rittner darf aus Kostengründen nicht einmal zu den Grand-Slam-Turnieren nach Melbourne und New York reisen.

Das ist nicht wahr. Natürlich haben wir ein begrenztes Budget, aber in diesem Rahmen wird Barbara Rittner selbst entscheiden, welche Turniere sie besucht. Das ist bei Patrik Kühnen…

…dem Kapitän des Daviscup-Teams…

…nicht anders. Der ist auch nicht zwölf Monate im Jahr bei jedem Turnier dabei.

In der Stellenbeschreibung des DTB heißt es, dass Rittner und Kühnen Sie als Sportdirektor beraten sollen. Müsste es nicht eigentlich umgekehrt sein?

Das ist ein bisschen unglücklich formuliert, da haben Sie Recht. Ich könnte die natürlich auch beraten. Aber ich betrachte es nicht als Aufgabe des Sportdirektors, mich in die Arbeit der Beiden einzumischen. Ich werde ganz bestimmt nicht sagen: Ihr müsst den oder die nominieren. Barbara Rittner und Patrik Kühnen sind in ihren Entscheidungen autonom.

Warum braucht der DTB überhaupt einen Sportdirektor?

Es ist wichtig, dass in der Zentrale in Hamburg auch ein Mann aus dem Sport sitzt, der die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden intensiviert, den gesamten Nachwuchsbereich koordiniert und sich auch um die Turnierszene in Deutschland kümmert. Vieles von dem habe ich vorher auch schon gemacht.

Hat der DTB extra eine neue Stelle geschaffen, um Sie unterzubringen?

Nein, der DTB wollte die Position eines Sportdirektors schaffen. Dann ist er auf mich zu gekommen.

Das Gespräch führte Stefan Hermanns

Klaus Eberhard , 47, wird am 1. Januar neuer Sportdirektor des Deutschen Tennis-Bundes (DTB). Zuvor hat der Berliner zwei Jahre lang das Fedcup-Team der Damen betreut.

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