Sport : Mehr Zuschauer als Handball

Der deutsche Basketball wächst und klagt.

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Berlin - Ein Pokalwochenende ist immer so etwas wie ein Klassentreffen in der kleinen deutschen Basketballwelt. Alles, was eine Funktion und, nun ja, einen Namen hat, versammelt sich und tauscht sich aus. Von Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß (siehe links) bis zum neuen Bundestrainer Frank Menz. Neuigkeiten kommen ans Licht, Gerüchte werden entkräftet, Projekte geschmiedet.

In Berlin teilte die Basketball-Bundesliga (BBL) mit, dass Ulm im nächsten Jahr die Endrunde austrägt, am 29. und 30. März in der neuen Halle in Neu-Ulm. Berlin als Dauerfinalort, wie im Fußball und von Alba-Geschäftsführer Marco Baldi erhofft, ist vorerst kein Thema. Trotz positiver Eindrücke in Berlin will die BBL bei wechselnden Ausrichtern bleiben. Auch eine Verkleinerung der Liga auf 16 Vereine, wie zuletzt öfter zu hören war, steht nicht an. Wenn genug Teams erfolgreich Lizenzanträge stellen, bleibt es bei 18 Klubs. Die Hamburg Towers, die mit Ex-Nationalspieler Pascal Roller in die Liga drängen, haben noch keinen Lizenzantrag gestellt, könnten also frühestens 2014/15 den Spielbetrieb aufnehmen.

Auch ohne eine weitere Metropolenmannschaft bessert sich die Lage der Liga stetig. Zum ersten Mal erwartet die BBL zum Saisonende mehr Zuschauer als die Handball-Bundesliga. Derzeit kommen im Schnitt 4400 Zuschauer in die deutschen Basketballhallen. Die Liga erwirtschaftet erstmals seit Jahren einen Überschuss im Millionenbereich, der an die 18 Vereine ausgeschüttet wird. Deren Etat liegt zusammen bei 80 Millionen Euro, damit hat er sich seit 2006 mehr als verdoppelt; damals lag er noch bei 36 Millionen Euro. Allein die Einschaltquoten im Fernsehen lassen zu wünschen übrig, bei „Sport1“ sind es knapp 150 000, bei „Kabel 1“ 300 000 Zuschauer im Schnitt, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen findet Basketball kaum statt. „Es ist ein Skandal, wie wir behandelt werden“, sagte Thomas Braumann, Präsident der AG BBL. Da soll vor allem Hoeneß helfen, mit dem sich die Liga am Sonntagmorgen zusammensetzte.

Zwei Drittel der Klubetats, die im Schnitt bei 4,5 Millionen Euro liegen, fließen in die Taschen der Spieler. Gerade die deutschen Profis profitieren von der Ausländerbeschränkung auf sechs Spieler, ihr Marktwert ist ebenso gestiegen wie ihre Einsatzzeit. Fast ein Drittel der Minuten (31 Prozent) entfällt auf einheimische Spieler, vor den ersten Beschränkungen waren es nur zwölf Prozent.

Das freut vor allem Frank Menz. Der neue Bundestrainer gab am Rande der Pokal-Halbfinals eine kleine Vorstellungsrunde. „Vor sieben Jahren hatte ich überhaupt keine Erst- oder Zweitligaspieler in meinem Kader“, sagte der 49-Jährige, der zuvor die A2-, U20- und U17-Auswahlen betreute. Die jüngeren Jahrgänge könnten mittlerweile in Europa auf Top-Niveau mithalten. Bei der EM im September will Menz aber vor allem Talente weiterentwickeln. Immerhin, „die Vorrunde wollen wir überstehen“. Ob Dirk Nowitzki, Chris Kaman und Tim Ohlbrecht dabei sind, kläre sich erst nach Ende der NBA-Saison, das hänge auch an der Gesundheit und Versicherungsfragen. Dominik Bardow

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