Sport : Mehrzweckarena: Finnen steigen bei den Capitals ein

Claus Vetter

Die Capitals haben bald finnische Chefs. Der Konzern Jokerit will beim Berliner Eishockey-Klub einsteigen. Das Unternehmen, auch Eigentümer des finnischen Eishockey-Spitzenklubs Jokerit Helsinki ist an 50 Prozent der Geschäftsanteile des Berliner Vereins interessiert.

Auf den Geschmack gekommen ist der 46-jährige Jokerit-Chef Harry Harkimo offensichtlich wegen der geplanten Mehrzweckarena in Siemensstadt, wo die Capitals nach Wunsch der Investoren von der Saison 2003/2004 an spielen sollen. Neben Jokerit und der Unternehmensgruppe Hohenlohe und Banghard sind noch Siemens und NCC Deutschland, Tochterunternehmen des größten schwedischen Bauunternehmens, an dem Projekt beteiligt. Laut Capitals-Chef Egon Banghard ist Harkimos Einstieg aber nicht von der Realisierung der Arena abhängig. Banghard befürwortet die finnische "Übernahme" und zieht sich damit teilweise bei den Capitals zurück.

Jokerit ist eine private finnische Unternehmensgruppe, die sich in der Sport- und Unterhaltungsindustrie engagiert. Kernstück des Unternehmens sind das Eishockeyteam "Jokerit Helsinki" und eine Gesellschaft, die in Helsinki eine Mehrzweckarena betreibt. Die "Hartwall Arena" wurde 1997 mit der Eishockey-Weltmeisterschaft eröffnet, seitdem trägt Jokerit Helsinki dort seine Heimspiele aus. Seit 1992 wurde der Klub - beim dem momentan der deutsche Nationalspieler Jan Benda unter Vertrag steht - viermal finnischer Eishockey-Meister. Harkimo ist Präsident von Jokerit, das im finnischen Eishockey einen Ruf wie Bayern München im deutschen Fußball hat.

Jokerit ist in den vergangenen Jahren stets mit dem höchsten Etat in Finnlands Eliteliga an den Start gegangen und hat einen Präsidenten mit Visionen. So hat Harkimo schon vor einigen Jahren verlauten lassen, dass ihm als Fernziel eine europäische Eishockey-Superliga vorschwebt. Seit 1999 gehört auch Fußball-Erstligist FC Jokerit (vormals Helskini PK-35) zu seinem Unternehmen. Auch dort heißt der Präsident Harry Harkimo. Außerdem hat Jokerit diverse Partnergesellschaften. So ist Harkimo mit seiner Firma mit 50 Prozent an dem Unternehmen Rautakirja beteiligt, das in Finnland in den Branchen Film, Buch und Presse tätig ist. Rautakirja wiederum gehören 30 Prozent von Jokerit.

Vor dem Bau der Hartwall Arena war Harkimo in Finnland unumstritten. Mit guten Beziehungen zur Politik - Harkimos Ehefrau ist Abgeordnete der konservativen Partei im finnischen Parlament - sowie ausschließlich privater Finanzierung konnte er den Bau der Hartwall Arena aber durchziehen. Und die Halle in Helsinki ist inzwischen nicht nur bei den Eishockeyspielen von Jokerit beliebt. Dank anderer Sportveranstaltungen und Konzerte ist die Halle offenbar rentabel.

Auch in Hamburg hat Harkimo große Pläne. Schon im vergangenen Jahr wollte der Finne beim damaligen Eishockey-Zweitligisten "Crocodiles" 50 Prozent der Besitzanteile erwerben. Die Hamburger wollten vor dieser Saison in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL). Ihr ehemaliger Eigentümer, der Hamburger Unternehmer Klaus-Peter Jebens, war wie die Capitals am Bau einer Mehrzweckhalle interessiert. Jebens sträubte sich allerdings gegen den Einstieg von Jokerit. Harkimo verfüge nicht über die finanziellen Mittel, das DEL-Vorhaben der Crocodiles mitzutragen, behauptete Jebens im Mai vergangenen Jahres.

Inzwischen verfolgt Harkimo - unabhängig von den inzwischen nur noch drittklassigen Crocodiles - gemeinsam mit einem Hamburger Bauunternehmen und Rautakirja den Bau einer Mehrzweckarena im Hamburger Bezirk Bahrenfeld. Dieses Projekt steht allerdings auf wackligen Füßen, da das beteiligte Bauunternehmen aus Hamburg in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

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