Sport : Mein Freund Michael

Sportdirektor Rudi Völler holt seinen alten Gefährten, den früheren Bundestrainer Skibbe, als Coach zu Bayer Leverkusen

Andreas Morbach[Leverkusen]

Michael Skibbe sieht entspannt aus – im Gegensatz zu seinem Stuhlnachbarn. Rudi Völler ist deutlich anzusehen, dass er schwierige Tage bei Bayer Leverkusen hinter sich hat, die schließlich darin mündeten, dass sein Gefährte aus gemeinsamen Nationalmannschaftstagen nun wieder neben ihm Platz genommen hat. Michael Skibbe, der frühere Bundestrainer, wurde von Bayers Sportdirektor Völler, dem früheren DFB-Teamchef, am Sonntag als neuer Trainer des Bundesligisten Bayer Leverkusen vorgestellt.

Skibbes Vertrag sieht vor, dass er seinen zweiten Versuch als Bundesligatrainer nach der Station Dortmund (Juli 1998 bis Februar 2000) bis zum 30. Juni 2007 unternehmen darf. Und zwar „ohne die Klausel, dass er nach dieser Saison die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb geschafft haben muss“, wie Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser betont. Das ist beachtlich für einen Verein, dessen Saisonziel im Sommer immerhin eine Platzierung zwischen Rang eins und drei vorsah.

Skibbes Naturell wird der reduzierte Druck entgegenkommen. Das „intakte Umfeld hier war bei meiner Entscheidung, in die Bundesliga zurückzukehren, absolut wichtig“, sagt Skibbe. Er sei eng mit Völler befreundet, zudem kenne er auch Holzhäuser und den jetzigen Manager Michael Reschke „seit Jahren gut“. Und auch der enge Kontakt zwischen Leverkusen und dem DFB, der seinen U-18-Coach Skibbe ja erst einmal freistellen musste, war durchaus hilfreich.

Der Harmoniemensch Michael Skibbe dürfte sich bei Bayer 04 wohl fühlen. Dennoch wurde seine Verpflichtung bei den Fans mit viel Skepsis aufgenommen. Bayers Wunschkandidat Matthias Sammer hatte nicht zuletzt deswegen abgesagt, weil der Leverkusener Anhang gegen die Verpflichtung des früheren Stuttgarter Trainers opponiert hatte. Und auf den dänischen Nationaltrainer Morten Olsen, dessen Team nach dem 1:0 gegen Griechenland ein vorzeitiges Ausscheiden in der WM-Qualifikation vermied, hätte Leverkusen unter Umständen noch länger warten müssen.

Deshalb also nun die Lösung Skibbe, zu der sich Bayer erst nach knapp vier Wochen durchrang. Dabei hätte es auch deutlich schneller gehen können. „Von Beginn an“, sagt Völler, habe er in Kontakt mit Skibbe gestanden. „Aber um ehrlich zu sein: Damals verhandelten wir noch mit Matthias Sammer.“ Und als dann auch alle weiteren Bemühungen um einen Nachfolger für den am 16. September entlassenen Klaus Augenthaler scheiterten, übernahm Völler das Team zunächst als Interimscoach. Allerdings mit mäßigem Erfolg, so dass er in seiner Not letztlich doch auf seinen Kumpel Skibbe zurückgriff. Der fühlt sich aber nicht als Notlösung, im Gegenteil. Er finde es toll, „in einem Atemzug mit Trainern wie Matthias Sammer und Morten Olsen genannt zu werden“. Und noch toller findet es der frühere Bundestrainer, dass nicht Sammer und nicht Olsen, sondern er sich ab sofort als Cheftrainer in Leverkusen versuchen darf.

Völler betont auffallend oft, dass Michael Skibbe „ganz klar der Chefcoach ist“. Denn: „Sonst hätte ich es ja auch weiter selbst machen können.“ Das wollte er aber nicht – im Gegensatz zu Geschäftsführer Holzhäuser. Völler blieb hart. „Ich habe mir jetzt drei Wochen lang ein Bild gemacht“, sagte Völler nach seinen unglücklichen Gastspiel als Trainer der Mannschaft, die aktuell Achter in der Liga ist. „Und dann dachte ich mir: Jetzt können wir ihn holen.“ Nach einem klaren Vertrauensbeweis klingt das allerdings nicht.

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