Mein Lieblingssport : Rhythmische Sportgymnastik

Okay, ich gebe es zu: Rhythmische Sportgymnastik ist nicht meine Lieblingssportart. Für keine andere Disziplin bin ich dermaßen ungeeignet, außer vielleicht noch Sumoringen. Ich bin groß und ungelenkig wie ein Bügelbrett, im Stehen kann ich mit durchgedrückten Knien nicht einmal annähernd meine Zehen erreichen – geschweige denn einen Spagat machen oder meine Füße hinter dem Kopf in die Höhe strecken. Wahrscheinlich nötigen mir die Gymnastinnen deshalb so viel Respekt ab.

Einer meiner ersten Termine als Praktikant in der Sportredaktion war das Masters der Gymnastinnen in der Max-Schmeling-Halle. Ich kann nicht sagen, dass ich begeistert war, eher interessiert. Erst aus der Nähe sieht man, dass die Sportlerinnen sehr stark geschminkt sind (was für mich genauso ein Horror ist wie ein Spagat). Es hat wohl schon seinen Grund, warum die Rhythmische Sportgymnastik neben dem Synchronschwimmen die einzige reine Frauendisziplin bei Olympia ist. Auch wenn sich männliche Synchronschwimmer inzwischen einklagen wollen: Uns Männern fehlt einfach die Grazie.

Den Beweis dafür habe ich schon vor vielen Jahren erbracht bekommen. Im Sport-Leistungskurs in der Schule stand im Abitur neben einer ganzen Reihe von Ballspielen auch Rhythmische Sportgymnastik als Prüfungsdisziplin zur Wahl. Alternativ konnte man sich für Schwimmen, Leichtathletik oder Turnen entscheiden, viele meiner männlichen Mitschüler wählten aber die Sportgymnastik, weil ihnen die anderen Sportarten zu strapaziös erschienen. Die meisten haben die Entscheidung bitter bereut. Anstatt im Park zu bolzen, mussten sie sich nun an den Wochenenden mit Schrittfolgen, Sprüngen und Spiralen auseinandersetzen. Bei den Prüfungen wurden die Zuschauer rausgeschickt, den Anblick konnte man auch wirklich niemandem zumuten. Nichts ist weniger graziös als ein 19 Jahre alter, O-beiniger Fußballer, der zur Titelmelodie von Beverly Hills Cop eine Kür mit dem Band aufführt, dabei immer wieder seine Choreografie vergisst, ständig neben dem Takt tanzt – und vor allen Dingen selbst sehr genau spürt, welches Bild er gerade abliefert.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, könnte ich meine Faszination für die Rhythmische Sportgymnastik auch so zusammenfassen: Bin ich froh, dass ich das nicht machen muss. Lars Spannagel

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