Mein Lieblingssport : Ringen

Immer diese Großen! Mannsbilder wie Schränke, Kingsize-Format. Klar, dass ich, klein gewachsen, gegen die keine Chance hatte. Nicht in der Leichtathletik, nicht im Fußball. Musste also ein neuer Sport her. Einer, der auf meine körperliche Eigenart Rücksicht nimmt.

Wie gut, dass es Sportarten mit Gewichtsklassen gibt. Sportarten, bei denen man sich auf Augenhöhe begegnet,

bei denen Dicke gegen Dicke kämpfen und Dünne gegen Dünne. So kam ich zum Ringen.

Es traf sich gut, dass ich damals, in den 70er Jahren, in der Stadt Freiburg lebte, die nicht nur eine Universität, sondern gleich zwei Vereine in der Ringer-Bundesliga hatte sowie einen Weltmeister im Mittelgewicht. Also meldete ich mich beim AV St. Georgen an.

Dort war die Freude über den Neuzugang verblüffend groß.

In den besonders leichten Gewichtsklassen, so wurde mir bedeutet, herrsche nämlich höchste Personalnot; und wenn ich jetzt eifrig trainierte, mich als anstellig erwiese, so könne man mich demnächst in der zweiten Mannschaft einsetzen. Und bald womöglich sogar in der Bundesliga. Und zwar im Fliegengewicht.

Bundesliga. Mir schwanden die Sinne.

Also trainierte ich enthusiastisch. Lernte Hüftschwünge, Klammergriffe und Beinscheren, eignete mir komplizierte Techniken an wie den Doppelnelson oder die lebensgefährliche Souplesse. Die Trainer konstatierten erfreuliche Fortschritte.

Dann kam mein erster Einsatz in der zweiten Mannschaft.

Er endete nach 30 Sekunden mit einer Schulterniederlage. Mein Gegner war 14. Beim zweiten Einsatz ging es noch schneller. Nach 15 Sekunden war ich geschultert.

Die Trainer waren fortan weniger zuversichtlich, das Wort „Bundesliga“ fiel nicht mehr, und in mir reifte die Erkenntnis, dass ich mit meinen 24 Jahren entschieden zu alt dafür war, das Ringen zu erlernen. Alle anderen im Verein hatten spätestens mit acht damit begonnen.

Dennoch trat ich noch einmal an, ein allerletztes Mal.

Bei den südbadischen Meisterschaften. Ich belegte den ehrenvollen, aber undankbaren vierten Platz. Es stand sogar in der Zeitung. Was nicht in der Zeitung stand: Im Fliegengewicht waren nur vier Wettkämpfer angetreten. Wolfgang Prosinger

0 Kommentare

Neuester Kommentar