Mein Lieblingssport : Triathlon

Es war mitten im Wendechaos, an meiner Schule wurden die Lehrer ausgetauscht. Einige durften nicht mehr kommen, andere wollten nicht. Wir Schüler schwankten zwischen Verwunderung und Freude, denn auch der Unterricht war mit einem Mal ganz locker. Das Fach Staatsbürgerkunde wurde gleich ganz gestrichen, der Samstag war plötzlich schulfrei und im Sport konnten wir als Leistungskurs Fußball wählen. Oder Triathlon.

Triathlon war zu dieser Zeit im Osten der zusammen-

wachsenden Republik noch weitgehend unbekannt, wenn die Sportart überhaupt betrieben wurde, dann als sogenannter Ausdauerdreikampf A3K. Dabei beinhaltete der Sport die natürlichen Fortbewegungsmöglichkeiten der DDR-Bürger:

 Laufen, Radfahren und Schwimmen – nur in umgekehrter Reihenfolge. Was hätte das für olympische Erfolge geben können! Aber Triathlon wurde erst im Jahr 2000 ins Programm der Spiele aufgenommen.

Im Vergleich zu den anderen olympischen Mehrkämpfen zeichnet sich Triathlon durch eine fast schon klassische Schlichtheit aus. Es ist die Jedermann-Sportart schlechthin – und bezieht daraus ihren besonderen Reiz. Der größte Gegner im Triathlon ist der Athlet selbst. Es gibt keine Zweikampfsituationen wie beispielsweise im Modernen Fünfkampf, wo die Sportler neben dem Schwimmen und Laufen auch fechten, reiten und schießen müssen und dabei irgendwie so wirken, als wären sie aus der Zeit gefallen.

Selbst der Zehnkampf in der Leichtathletik ist für den Normalmenschen eine zwar bewundernswerte, aber doch nicht wirklich nachvollziehbare Sache. Oder kennen Sie jemanden, der schon mal Stabhochspringen selbst ausprobiert hat? Und Triathlon ist nicht nur einfach zu betreiben, sondern auch problemlos zu verfolgen. Am Ende ist derjenige Sieger, der als Erster ins Ziel kommt. Der Kampf des Sportlers ist greifbar, weil der Zuschauer weiß, was es bedeutet, bei kühlen Temperaturen im Wasser zu schwimmen, sein Fahrrad gegen den Wind fortzubewegen oder zu laufen, bis einem die Beine schwer werden. Das ist gleichermaßen hart und sympathisch. Triathlon macht glücklich, wohl auch deswegen gibt es bei offiziellen Wettkämpfen keine Startnummer 13.

Übrigens meldeten sich seinerzeit fünf Unentwegte zum Leistungskurs Triathlon an meiner Schule. Ich entschied mich für Fußball. Warum, weiß ich bis heute nicht. Jörg Leopold

0 Kommentare

Neuester Kommentar