Mein Lieblingssport : Wasserspringen

Wer sich im Schwimmbad schon einmal vom Zehnmeterturm gewagt hat, der wird es kennen: dieses Grummeln in der Magengegend, das flaue Gefühl, wenn es im freien Fall dem Wasser entgegengeht. Sobald man sich überwunden und losgelassen hat. Je häufiger man es hintereinander macht, desto weniger grummelt es. Bei den Profis ist das Grummeln deshalb vermutlich ziemlich schwach, so oft wie die sich von ganz oben herunterstürzen und so sehr sie sich darauf konzentrieren müssen, bloß alles richtig zu machen. Gänzlich verschwunden aber ist das Gefühl nie.

Der ewige Traum vom Fliegen springt immer mit. Für einen winzigen Moment scheinen die Athleten der Schwerkraft zu trotzen. Viereinhalb Sekunden maximal, und es ist schon erstaunlich, wie viel ein Mensch in dieser kurzen Zeit zu leisten imstande ist: Schrauben, Salti, Drehungen. Und ganz am Ende tauchen die Profis, mal allein, mal möglichst synchron, dann auch noch gestreckt und mit so wenig Spritzern wie möglich hinein ins Wasser. Man nennt sie ja nicht umsonst auch Kunstspringer.

Das Wasserspringen ist eine der gefährlichsten und anspruchsvollsten olympischen Disziplinen. Hier bündelt sich das, was uns am Sport fasziniert: Akrobatik, Kraft, Schnelligkeit, Mut, Timing, Koordination und Ästhetik. Deshalb sind Turmspringer in der Regel auch hervorragende (Trampolin-)Turner, Schwimmer, Hoch- und Weitspringer. Ihre Disziplin erfordert ein hohes Trainingspensum, denn nur so kann das Schwere im Wettkampf leicht aussehen – vom Ein- und vom Dreimeterbrett ist das so, vor allem aber vom Turm. Höher hinaus geht es in London für Sportler nicht.

Mit Anlauf stürzen sich Patrick Hausding und all die anderen die zehn Meter hinab, manchmal lassen sie sich sogar aus dem Handstand in die Tiefe fallen. Dann muss jede Winzigkeit genau stimmen. So wie es bei Greg Louganis, dem viermaligen olympischen Goldmedaillengewinner aus den USA, meist der Fall gewesen ist. Eleganter als er hat es niemand mehr hinbekommen. „Sprung ins Ungewisse“ heißt der Film über sein Leben. Bis heute, Louganis ist mittlerweile 52, springt er aus Freude am Fall noch ab und zu vom Turm.

Neulich habe ich es nach Jahren auch mal wieder gemacht. Ich bin gesprungen, und es grummelte und kribbelte fast so wie beim ersten Mal.Katrin Schulze

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