Sport : Mein schönstes Fußball-Erlebnis

Oliver Trust

Die Worte sprudelten nur so aus Paulo Rink heraus. Als habe er eine aufregende, weite Reise hinter sich, erzählte der Stürmer von seinem Tor gegen den FC Energie Cottbus, das den 2:0-Sieg seines 1. FC Nürnberg im Kellerduell der Fußball-Bundesliga einleitete. "Wir sind alle sehr glücklich", sagte der Brasilianer. Erst in der 88. Minute eines durchschnittlichen Spiels allerdings konnten die Franken sicher sein, drei wichtige Punkte im Abstiegskampf gewonnen zu haben. David Jarolim holte gegen Energie-Torwart Tomislav Piplica einen Elfmeter heraus, den Jacek Krzynowek sicher zum 2:0 verwandelte.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Die entscheidende Szene fand an diesem Nachmittag wohl in der Nürnberger Kabine in der Pause statt. Die Franken kamen in den ersten 45 Minuten lange nicht zum Zuge, die besseren Chancen hatten die Cottbuser. "Paulo, bleib dran", habe der Trainer zu ihm gesagt, berichtete Rink. Und: "Irgendwann klappt es." Die Prophezeiung traf ein. Cacau spielte den Ball nach einem Cottbuser Abwehrfehler quer, und Paulo Rink schoss in seinem sechsten Spiel endlich das erhoffte Tor. Wie befreit lief er zu seinem Trainer, umarmte ihn und flüsterte ihm in aller Eile eine Art Entschuldigung ins Ohr. "Ich habe ihm gesagt, dass es mir Leid tut, dass es so lange gedauert hat mit meinem Tor."

Klaus Augenthaler wirkte nach dem Spiel weniger aufgeregt als der Torschütze. Fast emotionslos stand er da und redete wie ein Geschäftsmann, der einen unwichtigen Buchungsvorgang abgeschlossen hat. "Ich bin froh, dass wir gewonnen haben", sagte er. Überzeugend spielte der Club nicht, eher verunsichert - das ist dem Weltmeister von 1990 nicht entgangen. Sein Gegenüber, Energie-Trainer Eduard Geyer, war da emotionaler. "Ich bin enttäuscht", seufzte er nach der Niederlage. Geyer wird in dem Moment noch einmal an die vielen Chancen gedacht haben, die seine Spieler in der ersten halben Stunde ausließen. "Hier muss man mindestens einen Punkt holen", schimpfte Geyer. Allein Marko Topic stand zweimal frei vor Nürnbergs Torwart Kampa und vergab. Nürnbergs Abwehr machte zu diesem Zeitpunkt nur Fehler.

Fast flehentlich forderte der Stadionsprecher die 20 000 Zuschauer in der Pause zur Mithilfe auf. Zu dem Zeitpunkt lag der Nürnberger Frank Wiblishauser schon im Krankenhaus. "Manager Geenen hat mir eben die Meldung gebracht, dass er Schien- und Wadenbein gebrochen hat" schallte es durch die Lautsprecher. "Jetzt, Freunde, muss ein Sieg her." Wiblishauser musste nach 17 Minuten nach einem Foul von Ronny Thielemann vom Platz getragen werden. Für den Nürnberger ist die Saison zu Ende. Er wird monatelang ausfallen. "Was soll ich da sagen", meinte Augenthaler wieder reichlich kühl. "Das ist Berufsrisiko."

Immerhin fielen Augenthaler bei aller Abgeklärtheit noch irgendwie originelle Sätze ein. Die meisten Cottbuser fanden dagegen wenig Worte. "Ich bin sprachlos", stammelte Sebastian Helbig. Paolo Rink war da irgendwie mitteilungsbedürftiger.

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