Sport : Mein Sonntag gehört mir

Robert Ide

Alle Bälle liegen still – wenn dein starker Fuß es will. So stark machen sich Deutschlands Amateurfußballer: Sie drohen unverhohlen mit einem Streik und vernetzen sich gegen den Profifußball. Denn die Bundesliga verteilt zur Generierung höherer Fernsehgelder ihre Spiele mehr und mehr übers ganze Wochenende und gräbt so den traditionell am Sonntag spielenden Amateurklubs mehr und mehr Aufmerksamkeit ab. Und was haben die Amateurklubs, die mit ehrenamtlicher Arbeit auch gesellschaftliche Aufgaben erfüllen, davon? Weniger Zuschauer, mehr nicht.

Der emotionale Streit um Deutschlands Fußballzeiten zeigt nicht nur die brüchige Balance zwischen Amateuren und Profis – und das vor dem Hintergrund eines neu auszuhandelnden Grundlagenvertrags zwischen dem Deutschen Fußball-Bund, der die Basis zu vertreten hat, und der Deutschen Fußball-Liga, die allein ein Auge für die Profiklubs hat. Er wirft auch ein Schlaglicht auf den unausgegorenen Fernsehvertrag der Bundesliga, der ab der kommenden Saison nicht nur die Amateurklubs belasten wird. Viele Sonntagsspiele werden dann in den Regionalsendern verschwinden, was auch den Sponsoren der Bundesligisten nicht gefällt. Sonntagsfußball in Deutschland – vielleicht ist er tatsächlich eher was für Amateure.

Ob ein Streik hilft? Als Zeichen schon. Aber wenn den Amateurkickern die Sonntagsspiele der Bundesliga nicht passen, sollten sie halt nicht hingehen. Dann rollt der Ball wieder, der eigene.

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