Sport : Mein WM-Held

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An dieser Stelle verraten Sportler, Politiker und Künstler, wer sie bei einer WM für den Fußball begeistert hat. Heute: Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher.

Harald Schumacher war mein Onkel. Oder besser: Toni Schumacher. So kannten ihn ja alle. Toni Schumacher also war mein Onkel. Jedenfalls tat ich so. Kam gut an, Toni Schumacher war schließlich ein klasse Torwart damals. Wir fanden ihn alle ganz gut. Ich weiß noch, wie ich in der Schule manchmal erzählt habe, dass der Toni mein Onkel sei. Weil ich ein bisschen angeben wollte.

Damit hatte es sich aber auch schon. Viele Menschen denken wahrscheinlich, dass ich auch eines dieser Kinder war, die an irgend welchen Zäunen hängen, weil sie an irgend welchen Träumen hängen. So nach dem Motto: „Schon als Kind hat er sich sicher zum Nürburgring durch gekämpft und ist dort ins Fahrerlager geschlichen, um die Männer zu sehen, deren Fotos in seinem Zimmer zu Hause an der Wand hängen.“ Hab’ ich nicht gemacht. Es gab keine Zäune, an denen ich hing. War alles zu weit weg für mich. Ein Formel-1-Fahrer zu werden, davon konnte ich gar nicht träumen, weil man nur von Dingen träumt, die man sich vorstellen kann. Die Formel 1 war außerhalb jeglicher Vorstellung für mich. Es gab auch keine Bilder von Rosemeyer oder Berghe von Trips bei mir zu Hause. Ich kannte die gar nicht. Wenn, dann hatte ich wie alle anderen Jungs zu der Zeit Bilder von Fußballspielern zu Hause hängen. Obwohl, nicht mal das. Ich bin nicht der Typ, der sich an anderen Leuten orientiert. Helden, Idole – mit solchen Worten kann ich nicht viel anfangen. Das hat so etwas Verklärendes, Bewunderndes, das mir sehr, sehr fremd ist. Der Toni war da vielleicht eine Ausnahme, obwohl mir schon das Wort Bewunderung dafür zu groß ist.

Bei der WM 1982 war ich 13. Wie alle Jungs in diesem Alter habe ich die WM verfolgt, denn wie alle Jungs in diesem Alter war mir Fußball alles andere als egal. Als ich kleiner war, habe ich sogar mal zu spielen versucht, aber ich war zu schlecht. Meistens saß ich auf der Bank. Also 1982. Mir ist klar, dass vielen Leuten bei dieser WM und dem n Toni Schumacher das Halbfinale gegen Frankreich in den Sinn kommt und dieses ominöse Foul. Meine Erinnerung ist da viel diffuser, ich habe diese genauen Bilder nicht so im Kopf. Bei mir sind das eher Eindrücke, die übrig geblieben sind: Tonis Einsatz, seine totale Hingabe, dieses Aufpushen und immer-alles-geben, das ist haften geblieben. Er war ja auch einer der ersten Torhüter, die so richtig athletisch waren. Für mich war er ein Sportler, der für seinen Sport gelebt hat. Einer zum Angeben eben.

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