Sport : Mein WM-Held

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An dieser Stelle verraten Sportler, Politiker und Künstler, wer sie bei einer WM für den Fußball begeistert hat. Heute: Pierre Littbarski, Mitglied der deutschen Weltmeistermannschaft von 1990.

Dreimal, 1982, 1986 und 1990, habe ich als Spieler an Fußball-Weltmeisterschaften teilgenommen, streng genommen hatte ich meinen ersten WM-Einsatz aber schon 1974. Beim Vorrundenspiel DDR gegen Chile war ich als Balljunge im Berliner Olympiastadion. Am liebsten hätte ich damals die Holländer live gesehen. Für mich haben die bei dieser Weltmeisterschaft einfach einen überragenden Fußball gespielt, mit Rep und Rensenbrink und vor allem mit Johan Cruyff.

Ich erinnere mich an ein grandioses Spiel von ihm in der zweiten Finalrunde gegen Brasilien. „Oh, Mensch“, habe ich damals gedacht, „so willst du auch werden.“ Das war natürlich illusorisch. Cruyff hatte eine unglaublich hohe Beschleunigung aus dem Stand. Schon deshalb hätte ich ihn niemals imitieren können. Zumindest habe ich mir nach der WM die Fußballschuhe Cruyff von Puma gekauft, mit orangen Streifen an der Seite. Die Schuhe waren zwei Nummern zu groß, und um überhaupt damit spielen zu können, musste ich Skisocken tragen.

Natürlich war es ungewöhnlich, bei der WM im eigenen Land nicht für die Deutschen zu sein. Aber ich bin eigentlich nie ein Fan der Nationalmannschaft gewesen. Die Spielweise der Deutschen hat mir einfach nicht besonders zugesagt. Meine Lieblingsspieler aus der Bundesliga waren nachher auch Kevin Keegan, ein Engländer, und der Däne Allan Simonsen. Gegen Simonsen habe ich später mal gespielt, als er schon bei Barcelona unter Vertrag stand. Ich habe richtig aufgepasst, dass ich ihn bloß nicht berühre.

Meine Bewunderung für ihn war bei der WM 1974 so groß, dass es für mich selbst im Finale Deutschland gegen Holland nur Cruyff gab. Ich glaube, richtig gemerkt habe ich das auch erst, als Cruyff in der ersten Minute von Uli Hoeneß im deutschen Strafraum gefoult wurde. Ich weiß noch, dass ich damals spontan gerufen habe: „Das war Elfmeter.“ Im Endeffekt habe ich mich dann aber doch mit den Deutschen über den Titel gefreut. Von Cruyff war in diesem Endspiel ja auch nicht mehr viel zu sehen. Abgesehen von jener Szene in der Anfangsminute hat ihn sein Gegenspieler jederzeit beherrscht. Dieser Gegenspieler war übrigens Berti Vogts, mit dem ich im vergangenen Jahr zusammen bei Bayer Leverkusen gearbeitet habe.

Aufgezeichnet von Stefan Hermanns.

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