Sport : Mein WM-Held

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An dieser Stelle verraten Sportler, Politiker und Künstler, wer sie bei einer WM für den Fußball begeistert hat. Heute: Skispringer Jens Weißflog.

Eigentlich bin ich nicht so ein Fußball-Verrückter. Ich ziehe mir nicht jedes Bundesligaspiel rein, und wenn mich jemand fragt: „Wer wird Weltmeister?“, dann frage ich zurück: „Bei welcher Weltmeisterschaft überhaupt?“ Es gibt auch andere Weltmeisterschaften als die Fußball-WM.

Aber trotzdem: Wenn mal eine WM ist, dann schaue ich mir das gerne an. So wie im Sommer 1990. Da habe ich gerade Urlaub mit meiner Familie in Innsbruck gemacht, im „Leipziger Hof“. Ich kannte das Hotel gut, da haben wir immer bei der Vierschanzentournee übernachtet. Beim Endspiel Deutschland gegen Argentinien habe ich mich dann in mein Zimmer verzogen, nur meine Frau saß neben mir auf dem Sofa. Ansonsten war es still. Dann kam die 85. Minute. Es gab Elfmeter für Deutschland. Bisher hatte bei diesem Turnier Lothar Matthäus alle Elfer geschossen, doch plötzlich lief der Andreas Brehme an. Ich hatte so ein komisches Gefühl und habe zu meiner Frau gesagt: „Das ist ja ungewöhnlich.“ Doch dann hat der Brehme das Ding ganz sicher verwandelt. Kurzer Anlauf, trockener Schuss, und drin war der Ball. Wir waren Weltmeister, im Jahr der deutschen Einheit. Und das nur, weil sich einer wie Brehme getraut hat. Er hat Verantwortung übernommen in einem sehr wichtigen Moment. Es gibt andere, die kneifen in solchen Situationen.

Mich hat dieser eine Schuss sehr beeindruckt. Ich habe ihn als etwas Besonderes empfunden, auch wenn ich nicht allzu viel verstehe vom Fußball. Ich war in meinem Leben nur selten in einem Fußball-Stadion gewesen. Früher habe ich ab und zu bei meinem erzgebirgischen Heimatverein Wismut Aue vorbeigeschaut. Die hatten nur ein kleines Stadion, aber es war immer voll. Die Fans waren treu, und einmal wurde die Mannschaft sogar Dritter in der DDR-Oberliga. Einen persönlichen Helden von damals habe ich aber nicht.

Ein paar Jahre nach seinem Tor habe ich Andreas Brehme persönlich kennen gelernt. Wir haben uns zufällig auf einem Golfplatz getroffen. Er ist ein echt netter Kerl. Beim Golfen ist er aber leider besser als ich. Seine Schläge sind irgendwie präziser. Ich glaube, er hat mehr Zeit zum Üben.

Aufgezeichnet von Robert Ide.

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