Sport : Mein WM-Held

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An dieser Stelle verraten Sportler, Politiker und Künstler, wer sie bei einer WM für den Fußball begeistert hat. Heute: Axel Schulz, früherer Schwergewichtsboxer.

Ein richtig großer Fußballfan war ich eigentlich nie. Aber klar, ich interessiere mich für fast jede Sportart. Den wahnsinnigen Ignoranten, die behaupten, es wäre kein Sport, wenn 22 Menschen scheinbar ziellos einem Ball hinterherlaufen, sei jedoch gesagt: Fußball zu spielen ist schwerer, als man gemeinhin denkt. Spätestens nach einem Benefizturnier in München, bei dem man mich ins Tor gestellt hatte, wusste ich ganz gut, dass ich diese Form der körperlichen Ertüchtigung bisher unterschätzt habe. Überschätzt hatte man dagegen offenbar mich, wir haben nämlich 1:3 verloren.

Am Fernsehgerät sieht alles so einfach aus. Nehmen wir nur mal die WM 1994 in den USA. Zu dieser Zeit war ich zu einem Boxkampf in Chicago und wollte eigentlich das Eröffnungsspiel von Deutschland live erleben. Die hohen Temperaturen haben mich dann doch ein wenig abgeschreckt, und so verfolgte ich den 1:0-Sieg über Bolivien im Hotelzimmer. Bester Spieler war für mich Matthias Sammer. Den finde ich irgendwie toll. Nicht zuletzt, weil er als einer der ganz wenigen Ossi-Fußballer den Sprung von der DDR-Auswahl in die A-Nationalmannschaft des DFB geschafft hat. Bei der WM war er definitiv einer der Leistungsträger der Nationalmannschaft. Ich bin mir sicher, dass Deutschland im Viertelfinale gegen Bulgarien nicht ausgeschieden wäre, wenn Sammer gespielt hätte. Aber „hätte“ und „wäre“ ist nun mal nicht. Ich hätte den Boxkampf gegen Foreman auch gewinnen sollen, wäre da nicht … – gut, das ist eine andere Geschichte.

Als Deutschland 1996 Europameister wurde, gehörte Sammer natürlich wieder mit dazu. Das bestätigt meine These, dass die Jungs nur etwas gerissen haben, wenn er dabei war. Sein Ehrgeiz scheint ansteckend zu sein. Ich zum Beispiel bin ja auch sehr ehrgeizig, aber der klassische Einzelsportler. Nach meinem Boxende habe ich drei, vier Mal Fußball in der Altherrenmannschaft in Frankfurt (Oder) gespielt. Bis mir jemand sagte, dass sie ohne mich mehr Spaß hätten. Ich habe wohl zu viel rumgebrüllt, und dann immer sowas wie, „Hey, du Arsch, nun renn’ doch mal!“ Solcher Ehrgeiz steckt nicht an.

Aufgezeichnet von Anke Schönfelder.

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