Sport : Mein WM-Held

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An dieser Stelle verraten Sportler, Politiker und Künstler, wer sie bei einer WM für den Fußball begeistert hat. Heute: Der Wiener Liedermacher Wolfgang Ambros über Winfried Schäfer.

Mein WM-Held hat nie ein WM-Spiel absolviert, und ich weiß nicht mal, ob er überhaupt ein Länderspiel bestritten hat. Ich spreche von Winfried Schäfer, dem deutschen Trainer von Kamerun. Um diese Wahl zu verstehen, muss man wissen, dass mich Fußball nur am Rande interessiert und ich auch nicht besonders viel über das Spiel weiß. Von Afrika verstehe ich dafür aber umso mehr. Denn es zieht mich oft dorthin, und ich liebe die Mentalität der Menschen dort.

Natürlich freue ich mich auch über das Abschneiden des Senegal, dennoch schlägt mein Herz ganz besonders für Kamerun. Vielleicht weil die Vorgänger dieser Spieler, wie der positiv verrückte Roger Milla, für den afrikanischen Fußball wichtige Schrittmacherdienste geleistet haben. Ich hätte den jetzt leider nicht mehr ganz so unbezwingbaren Löwen unbedingt auch den Sieg gegen Deutschland gegönnt; schade, dass sie sich an diesem Tag nicht besser präsentiert haben. Da konnte der Winni an der Außenlinie noch so engagiert wirbeln, es war wohl nichts zu machen .

Meiner Sympathie für Schäfer hat das aber überhaupt keinen Abbruch getan. Der Winni hat mir eigentlich immer schon sehr imponiert, das ist ein guter Typ. Der lässt sich nichts gefallen und geht schnurgerade seinen Weg. Ein Mann mit Rückgrat, wie ich finde. Diese Haltung hat ihm häufig Ärger eingebracht, in Stuttgart und auch in Berlin. Da ist er böse gebissen worden von den so genannten Verantwortlichen dieser Klubs. Aber Winni ist weiter seinen Weg gegangen und hat lieber eine längere Zeit auf einen Trainerjob verzichtet, als sich zu verbiegen. Das Angebot des kamerunischen Fußballverbandes muss ihm dann wohl wie Posaunenklänge aus dem Paradies in den Ohren geklungen haben.

Und mit der Afrika-Meisterschaft konnte er dann ja auch gleich einen Titel feiern. Er hat die Mentalität der Spieler verstanden, und wie man hört, wollen die Kameruner ihn auch behalten. Ich hoffe für Schäfer, dass er wenigstens diesmal auf verständnisvolle Leute im Verband trifft und er seinen Job als Nationaltrainer behalten kann.

Aufgezeichnet von Andreas Kötter.

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