Sport : Mein WM-Held

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An dieser Stelle verraten Sportler, Politiker und Künstler, wer sie bei einer WM für den Fußball begeistert hat. Heute: Eduard Geyer, ehemaliger DDR-Nationaltrainer und heute Coach des Fußball-Bundesligisten Energie Cottbus.

Als wir in den Siebzigerjahren vor dem Radio saßen und uns die Europapokal-Spiele des Hamburger SV anhörten, da habe ich den Uwe Seeler bewundert. Ich habe ihm nachgeeifert, ihn aber nicht vergöttert. Ich bin älter geworden, und wenn ich jetzt darüber nachdenke, wer mein wahrer Held im Fußball ist, dann muss ich sagen: Der Mann hat leider nie bei einer Weltmeisterschaft mitgespielt. Ich meine Ulf Kirsten. Früher, in den Achtzigerjahren, da habe ich den Ulf bei Dynamo Dresden trainiert, in den Jugendmannschaften, gemeinsam mit Matthias Sammer. Ich habe die Jungs ausgebildet, sie sind feine Kerle. Der Ulf ist ein bodenständiger Typ, auch als er den Sprung in die Bundesliga zu Bayer Leverkusen schaffte, da blieb er der Alte.

Wir haben in Dresden oft auf Schotterplätzen trainiert, und trotzdem hat sich der Ulf immer reingekniet. Er wollte einfach Fußball spielen. Normalerweise rücken ältere Fußballer auf den Liberoposten, dort muss man nicht so viel laufen. Der Ulf aber hält für Leverkusen immer noch seine Rübe im Strafraum hin, obwohl er ja schon ein paarmal aufhören wollte. Die Leverkusener wissen schon, warum sie ihn nicht so einfach gehen lassen. Stand-by-Profi nennt sich so etwas neuerdings. Ein bisschen eigenwillig ist er ja schon immer gewesen, aber austreiben wollte ich ihm nichts. Weder seine derben Sprüche, noch sein Meckern. Vor dem Ulf hatten die Verteidiger Angst.

Schade nur, dass er nie bei einer Weltmeisterschaft spielen konnte. 1989 hätten wir es mit der DDR fast geschafft, wir standen kurz vor der WM-Qualifikation. Dann aber kam die Wende dazwischen, und meine Jungs und ich hatten natürlich andere Sachen im Kopf. Heute wäre die Situation anders: In der Nationalmannschaft gibt es keinen Stürmer, der an den Ulf herankommen würde. Der Miroslav Klose vielleicht. Aber dem fehlt die Robustheit. Der Ulf ist jetzt 36 Jahre alt, und wäre er ein bisschen jünger, würde er mit Klose ein wirklich gutes Sturmduo bilden. Deutschland würde Weltmeister werden. Garantiert.

Aufgezeichnet von André Görke

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