Sport : Mein WM-Held

NAME

An dieser Stelle verraten Sportler, Politiker und Künstler, wer sie bei einer WM für den Fußball begeistert hat. Heute: Christian Brand, Mittelfeldspieler von Hansa Rostock.

Mein WM-Held ist der Brasilianer Zico, der von 1978 bis 1986 an drei Weltmeisterschaften teilnahm, aber nie den Weltmeister-Pokal in den Händen halten durfte. Sein Bei „der weiße Pelé", den er wegen seiner Torgefährlichkeit und Spielübersicht erhielt, zeigt aber, dass Zico heute noch einer der populärsten Fußballer Brasiliens ist. Als einer von nur 19 Spielern hat ihn die Fifa zudem in ihre „Hall of Champions" berufen.

Zico verkörperte einfach alles, was ich mir unter einem perfekten Fußballspieler vorstelle. Grandiose Ballbehandlung mit rechts und links, und die Fähigkeit, zu jedem Zeitpunkt des Spiels den Rhythmus zu bestimmen. Zico war auch ein gefürchteter Freistoßschütze, der in seinen 88 Länderspielen 66 Tore erzielte. Eine Quote, die schon für einen Stürmer beachtlich wäre, es aber umso mehr für einen Mittelfeldspieler ist.

So weit ich mich erinnern kann, ist er auch nie negativ aufgefallen, etwa durch Platzverweise oder andere unbeherrschte Aktionen. Warum auch? Solche Dummheiten hatte einer wie er gar nicht nötig, war doch sein Spiel stets von einer Leichtigkeit getragen. Meiner Meinung nach hätte er sogar einen ähnlichen Stellenwert verdient wie Diego Maradona. Wenigstens seine Landsleute sprechen nach wie vor mit Begeisterung vom 82er Team mit Zico, Socrates und Falcao. Obwohl die Selecao damals in der zweiten Runde in einem der besten Spiele der WM-Historie gegen Italien ausschied, bedeutet dieses Team den Brasilianern mehr als die Elf, die mit Zweckfußball 1994 Weltmeister wurde. Für mich ist Zico bis heute der einzige brasilianische Spieler, der Pelé beerben und rechtmäßig das Trikot mit der magischen Nummer 10 überstreifen durfte. Und auch wenn er bei Udinese in Italien nicht glücklich wurde, haben sie in Japan später erkannt, mit welchem fußballerischen Genie Zico gesegnet war. Mit 37 wechselte er 1990 in die J-League und wurde 1993 mit Kashima Antlers Meister. Zico machte den Fußball dort populär und trainiert heute die Elf. Zum Dank haben sie ihm ein Denkmal gesetzt – in Form einer Bronzestatur. Von einem Zico kann Rudi Völler nur träumen.

Aufgezeichnet von Andreas Kötter

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben