Sport : Mein WM-Held

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An dieser Stelle verraten Sportler, Politiker und Künstler, wer sie bei einer WM für den Fußball begeistert hat. Heute: Der ehemalige Trainer von Hertha BSC, Falko Götz. Bei einem Europapokalspiel des DDR-Rekordmeisters BFC Dynamo 1983 in Belgrad flüchtete er in den Westen. In der Bundesliga spielte Götz für Leverkusen und den 1. FC Köln.

So einfach ist die Geschichte gar nicht. Ich bin in der DDR aufgewachsen, und viele Fußball-Helden hatten wir dort nicht. Die großen DDR-Klubs sind im Europapokal ja früh ausgeschieden, oft schon in der ersten oder zweiten Runde. Viel besser ist die Nationalmannschaft der DDR auch nicht gewesen. Klar, einmal hat sie sich für eine Weltmeisterschaft qualifiziert, 1974 war es, für die WM in Deutschland. Aber damals hatte ich schon ein Idol: Gerd Müller.

Die WM in Mexiko lag gerade vier Jahre zurück, ich bin acht Jahre alt gewesen, und die WM damals war die erste, die ich als Kind bewusst wahrgenommen habe. Wir saßen gemeinsam vor dem Fernseher und haben uns die Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft angeschaut. Fasziniert hat mich Gerd Müller sofort. Es war seine Beweglichkeit, sein Verhalten im Strafraum, dieser unglaublich gute Torriecher. Ich habe Müllers Art, wie er sich damals auf dem Fußballplatz bewegte, sehr intensiv beobachtet.

Ich spielte damals in Berlin in der Knabenmannschaft, auch ich bin Stürmer gewesen, und natürlich versucht man als kleiner Junge, sich an der Spielweise seines Idols zu orientieren. Meiner Karriere als Stürmer hat das nicht geschadet.

Vor einigen Jahren habe ich Gerd Müller während einer Dienstreise in München kennen gelernt. Wir haben ein bisschen miteinander geredet, mehr aber nicht. Ideologie spielte für mich nie eine Rolle. Dass Müller aus dem Westen kam, hat mich mit acht Jahren herzlich wenig interessiert. Genauso wenig, was der Müller für einen Charakter hat. Für so etwas bin ich nie der Typ gewesen. An Müller hat mich allein sein Fußballspiel fasziniert. Und darin war er wirklich gut.

Aufgezeichnet von André Görke

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