Sport : Meine erste Liebe: Barmbek-Uhlenhorst

Andreas Brehme

Der HSV Barmbek-Uhlenhorst wurde 1923 gegründet und war 1963 Hamburger Amateurmeister. 1974 spielte BU für ein Jahr in der Zweiten Bundesliga, wurde Letzter, feierte aber einen Sieg gegen Borussia Dortmund. Heute kickt der Verein in der Verbandsliga Hamburg.

Ich war immer ballverliebt, und ich wollte immer Fußball spielen. Der HSV Barmbek-Uhlenhorst hat damals eine gute Jugend gehabt, Mitte der sechziger Jahre war das, und weil mein Vater Bernd dort gespielt hat, bin ich schon immer mit zu seinen Spielen. Die Brehmes waren ja eine fußballbegeisterte Familie. Wann genau ich Mitglied geworden bin, weiß ich aber nicht mehr. Mit viereinhalb Jahren habe ich dann mein erstes Spiel gemacht. F-Jugend. Das war ganz am Anfang, da ist jeder kreuz und quer über das Feld gelaufen. Ist ja auch ganz normal: Wenn jemand vier oder fünf Jahre alt ist, dann kann man nicht sagen, hey, du bist jetzt Verteidiger. Da ist alles ganz einfach: Die einen spielen hinten und die anderen spielen vorne. So war das damals bei BU, genauso wie es heute bei den Kindern auch ist. Und jeder will ein Tor machen, klar. Man hat sich gefreut, wenn man ein Tor gemacht hat, es war aber nicht schlimm, wenn man keins gemacht hat.

Fußball habe ich damals den ganzen Tag gespielt, mit meinen Freunden von BU. Egal, wo. Überall, wo Platz war, da haben wir gespielt, auf der Straße, auf dem Bolzplatz oder auf dem Hartplatz neben dem Hauptplatz von BU, das war der Rupprechtplatz in der Steilshooper Straße. Deswegen gab es öfters aufgeschlagene Knie. Auf dem Hartplatz spielen ist eben doch was anderes. Das Einzige, was man als Junge da hatte, waren die Fußballschuhe, sonst hatte man nicht viel. Meine Mutter hat nie was gesagt, wenn ich wieder mal mit aufgeschlagenem Knie kam - was soll sie da auch sagen? Pflaster drauf.

1965 hat BU dann einen Rasenplatz bekommen, und zur Einweihung spielte unsere Mannschaft gegen den HSV. Da war ich fast sechs und durfte dem Kapitän der Gäste den Wimpel überreichen, zusammen mit noch einem Freund von mir. Das war eine Auszeichnung, denn der Kapitän war Uwe Seeler. Neben Uwe Seeler zu stehen, das hatte schon immer was Gutes.

Damals haben wir ein Mal die Woche trainiert, später dann zwei Mal. Umso höher es in der Altersklasse ging, desto mehr musste man auch machen. Für mich war das schlimmer als für die anderen, weil mein Trainer auch mein Vater war. Mein Vater hat mich und die ganze Mannschaft durchgehend trainiert, von der F- bis zur A-Jugend. Aber damit habe ich keine Probleme gehabt. Das war halt so. Es war ein Leben mit und für BU - weil es einfach ein guter Verein war. Mein Vater hat dort gespielt, ich habe dort gespielt und meine Mutter hat abwechselnd mit den anderen Müttern die Trikots der Mannschaft gewaschen.

Wir hatten damals eine sehr, sehr gute Mannschaft, das muss ich sagen. Wir haben uns alle gleich entwickelt. Das war ein Plus, denn wenn man in einer guten Mannschaft spielt, hat man mehr Möglichkeiten, sich auszuzeichnen, als wenn man mit ein paar Gurken spielt. Wir haben ja in der D-Jugend Spiele mit zehn Toren Unterschied gewonnen. Da gab es dann einen wahnsinnigen Zusammenhalt: Wir wohnten alle in der unmittelbaren Umgebung, trafen uns extra zum Fußballspielen, und wenn wir sonnabends kein Spiel hatten, sind wir auch mal zum HSV ins Volksparkstadion. Das Herz schlug immer für BU, aber als Hamburger warst du natürlich für den HSV, weil die höher gespielt haben. Schön waren auch die Weihnachtsfeiern bei BU, weil man immer ein Geschenk bekommen hat, ob das jetzt Schienbeinschützer waren oder sonst was, da hat man sich gefreut. Und der Torwart kriegte Handschuhe.

Ich hatte damals auch solche Sammelhefte mit Fußballspielern drin. Da war mir aber keine Mannschaft besonders lieb, ich habe alles gesammelt. Ich wusste ja nicht, was da drinnen war in den Sammelpackungen, ich musste nehmen, was ich gezogen hatte. Und dann tauschen. Ich hab nie eines fertig gekriegt. Irgendwelche Spieler fehlen nämlich sowieso.

Später dann waren wir auch zusammen aus. Diszipliniert war ich schon, aber trotzdem war ich auch mal in der Diskothek. Dass wir in der Mannschaft mal über den Zapfen gehauen haben, das ist auch ganz normal. Ich habe damals eigentlich alles gehört an Musik, Abba und was es da alles gab. Und eine Freundin hatte ich. Die Mädchen sind dann zum Fußball mitgegangen oder auch zu Hause geblieben. Dann hat man sich mit ihnen halt nach dem Spiel getroffen. Das war die Zeit, als BU in der Zweiten Bundesliga spielte, Saison 1974/75 - am Rothenbaum allerdings, weil der BU-Platz nicht ligatauglich war. Der Verein hatte damals auch Finanzprobleme, deswegen gab es eine Platte, "Stars singen für BU", mit Heino und Roberto Blanco. Die habe ich mal gesehen, aber ich habe sie nie selbst gehabt. Am Ende der Saison ist BU abgestiegen.

Aber wenn BU in der Zweiten Liga auf dem eigenen Platz hätte spielen dürfen, dann wäre es nicht so weit gekommen. Denn dann wären mehr Zuschauer gekommen. BU war eine heimstarke Mannschaft, aber am Rothenbaum, da waren doch nie Zuschauer. Ich habe da einige Spiele gesehen - da war nicht so die Atmosphäre, die man sich bei BU vorgestellt hätte. Zu Hause war ja immer voll. Wenn BU da auf dem Platz gespielt hat, vor vielen Zuschauern, dann haben sie schon ein anderes Niveau erreicht als vor leeren Rängen. Auf den Platz von BU passten 6000 bis 7000 Zuschauer, und die waren auch immer da. Die wären dort mit Sicherheit nicht abgestiegen. BU hat ja in der Saison sogar Dortmund geschlagen. Das war ein schönes Gefühl damals, da ist man dann richtig stolz auf seinen Verein.

Dass BU inzwischen so abgesackt ist, ist schade. Barmbek-Uhlenhorst, das war damals ein Traditionsverein, der dritte große Verein in Hamburg. Das ist heute leider nicht mehr der Fall. Ich habe ja keinen Kontakt mehr, ich weiß gar nicht, wo die heute spielen. Aber vielleicht erholen sie sich ja noch mal, ich weiß es nicht.Aufgezeichnet von Roland Schulz

Nächsten Dienstag: Der Journalist Hans Werner Kilz über Wormatia Worms

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