Sport : Meine Freunde

Stuttgarts Trainer Trapattoni kehrt mit seinem neuen Klub nach München zurück

Oliver Trust[Stuttgart]

Giovanni Trapattoni lächelt sein charmantes Lächeln. „Wissen Sie“, sagt er, „ich fühle schon das Gewicht auf meinem Rücken, wenn ich in eine neue Stadt und zu einem neuen Verein komme. Dann träumen die Fans, dann sagen sie offen, mit Trapattoni gewinnen wir, als sei das garantiert.“ Wieder dieses Lächeln, wieder alle typischen italienischen Handbewegungen, die alles und nichts ausdrücken und die zu ihm gehören.

Fast schon garantiert ist der hohe Unterhaltungswert einer Pressekonferenz mit Giovanni Trapattoni. Vor allem, wenn der 66 Jahre alte Italiener ohne Dolmetscher spricht. So sitzt der Trainer des VfB Stuttgart da und schaut immer wieder Hilfe suchend nach rechts und links. Dort aber sitzen am Montag, dem Tag vor dem Ligapokal-Halbfinale nur Stuttgarts Pressesprecher Oliver Schraft und Sportmanager Herbert Briem. Sie halfen Trapattoni wo sie konnten, trotzdem glichen seine Ausführungen bisweilen einem heiteren Ratespiel. Aber immer garnierte der mit 19 Titeln erfolgreichste Vereinstrainer der Welt seine Ausführungen mit seinem charmanten Lächeln.

Giovanni Trapattoni befindet sich nicht nur wegen der Erwartungshaltung der Stuttgarter Fans in einer besonderen Situation. Heute tritt er mit seinem neuen Verein bei seinem ehemaligen Klub Bayern München an (20.30 Uhr/live bei Premiere). Zweimal war Trapattoni in München Trainer, und niemand hat seine berühmte Rede vom 10. März 1998 vergessen. „Spieler wie Flasche leer“ und „Was erlauben Strunz“ sagte er und am Schluss „Ich habe fertig“. Aus dem ergrauten Trainer wurde eine Kultfigur. Das brachte Trapattoni viele Sympathien und einige Werbeverträge ein, weil sein Akzent putzig klingt, wenn er Joghurt löffelt oder andere Produkte anpreist.

Darauf angesprochen zu werden, ist Trapattoni sichtlich unangenehm. Dann holt er zu einer größeren Rede aus. „Wissen Sie, ich respektiere alle Menschen“, erzählt er. „Kinder, Frauen, Männer, ich rede mit allen, wenn sie mich ansprechen. Meinen Spielern sage ich immer, wir haben Glück, wir haben Fußball als Beruf. Training, Spielen, Training, Spielen und berühmt sein. Aber vergesst nicht, es ist nur ein Ball, mit dem wir spielen.“ Er sei ein ganz normaler Mensch und sage das immer wieder. „Schade, dass aus München nur die Rede übrig bleibt und Meisterschaft und Pokale vergessen werden“, sagt Trapattoni heute. „Ich hatte eine gute Zeit in München.“

Viele Freunde habe er dort noch. Köche und Besitzer italienischer Restaurants, und nicht zuletzt die drei großen Namen des „großen FC Bayern, der einer der berühmtesten Vereine der Welt ist“, erzählt Trapattoni. „Franz, Kalle und Uli, wir telefonieren. Sie rufen mich drei, vier Mal im Jahr an. Aber am Dienstag sind wir Gegner.“ Er lächelt, schaut wieder nach rechts und links und sucht vergeblich nach Hilfe bei der Erklärung seiner Gefühle.

Er muss es wieder einmal alleine versuchen. „Es ist so: Am Vormittag kenne ich meine Freunde, am Abend, wenn das Spiel läuft, dann sage ich ihnen, ich kenne dich nicht.“ Er lacht selbst und alle anderen lachen auch. Er will Hände schütteln, wenn er heute nach sieben Jahren zum FC Bayern zurückkehrt. „Es werden viele Emotionen da sein, sicher. Aber vielleicht ist das nach 30 Minuten vorbei.“

Sein Verein sei nun Stuttgart, und da gäbe es genug zu tun. Nach Jon Dahl Tomasson wollen die Schwaben ihrem Trainer noch weitere Stars einkaufen, einen fürs Mittelfeld und einen Mann für den Flügel. Mit dem Dänen Jesper Gronkjaer von Atletico Madrid wird verhandelt. „Meine Freunde in Stuttgart haben mir gesagt, vielleicht ist schon in einer Woche ein neuer Spieler da“, sagt Trapattoni. Der Mann hat eben überall Freunde.

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