Sport : „Meine Güte, wo bin ich hier?“

Jürgen Schlebrowski, der neue Präsident des 1. FC Union, über Trainer Votava, Schlammschlachten und Ansprüche

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Herr Schlebrowski, Sie haben gesagt: „Ich werde mich nicht zur Mannschaft äußern, bis ich sie gesehen habe.“ Am Freitag saßen Sie in Trier auf der Tribüne. Also?

Kämpferisch war’s okay, aber die Spieler sind extrem nervös, verständlich bei dem Getöse der letzten Tage. Sie machen viele einfache Fehler. Dennoch, wir haben 1:1 gespielt.

Union bleibt Tabellenletzter. Wie lange halten Sie an Trainer Mirko Votava fest?

Ich mache diese Diskussion nicht mit.

„Wer keinen Erfolg hat, hat auch nicht Recht.“ Das sagt Herthas Trainer Huub Stevens.

Das weiß auch Votava, er ist nicht naiv. Hat er keinen Erfolg, wird er den Job nicht behalten. So ist das Geschäft. Warten Sie das Spiel gegen Bielefeld ab, bis dahin wird mir Votava sein Konzept vorlegen, wie wir da unten rauskommen. Was jetzt zählt, ist Ruhe.

Das gelingt dem Verein nicht.

Weil sich hier einige Herrschaften wie im Kindergarten benehmen.

Warum haben Sie Ihrem Vorgänger Heiner Bertram Hausverbot erteilt?

Ich will den Streit nicht. Aber die Schlammschlacht hat nun mal er inszeniert. Am Dienstag hatte er sein Büro zu räumen – kein Problem. Kisten packen, Bilder von der Wand, das kann er gerne tun. Aber muss sich Bertram fünf Stunden in der Geschäftsstelle aufhalten? Das gibt’s doch nicht, dass der ehemalige Vorgesetzte weiterhin am Arbeitsplatz auftauchen möchte.

Am gleichen Tag ging eine Pressemitteilung raus, in der Mitglieder des Präsidiums plötzlich Bertram verteidigen.

Ich will das nicht kommentieren.

Hat Bertram zu viel Einfluss?

Natürlich hat er viel Einfluss, er war sechs Jahre bei Union. Aber wenn das höchste Vereinsgremium, der Aufsichtsrat, sagt: „So, Schluss jetzt!“, hat er das zu akzeptieren.

Bertram wirft dem Aufsichtsrat „fadenscheinige Begründungen“ für die Entmachtung vor.

Das meine ich, diese Haltung! Kann er nicht wie ein Profi reagieren? Stattdessen ist er beleidigt. „Einer wird auf dem Schlachtfeld liegen bleiben.“ Meine Güte, wo bin ich hier? Wir sind keine Märtyrer. Er schadet dem Verein mehr, als dass er ihm hilft.

Warum wurde die außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen?

Weil viele stark verunsichert sind. Der Aufsichtsrat muss Aufklärungsarbeit leisten.

Bei der Versammlung kann der Aufsichtsrat abgewählt werden – und somit auch Sie.

Ja, und deshalb ist es problematisch, längerfristig zu planen. Ich weiß nicht, wie sich alles entwickelt. Es kann sein, dass ich nur drei Wochen im Amt bin. Da kann ich Ruhe reinbringen, aber keine Sponsoren überzeugen.

Und nach der Mitgliederversammlung?

Ich komme aus der Wirtschaft, ich habe Kontakte, und ich werde diese nutzen. Aber viele Unternehmen wirtschaften pro Kalenderjahr, die Gelder für Sponsoring sind kurzfristig nicht zu beschaffen. Wir haben keinen Spielraum in der Finanzplanung, aber wir können die Gehälter noch bezahlen.

Auch zwei neue Spieler, wie Trainer Votava vor dem Anpfiff in Trier gefordert hatte?

Sehen Sie unser Pokalspiel gegen Leverkusen in eineinhalb Wochen als eine Art Schlüsselereignis. Kommen wir weiter, gibt es eine Garantiesumme von 220 000 Euro vom Deutschen FußballBund. Fliegen wir raus, müssen wir mit dem Kader weiterleben.

Also wird es nichts werden mit dem Image als Alternative zu Hertha BSC.

Warum nicht? Wir müssen unser Image verbessern, das schon. Aber wir werden nie der aalglatte Hauptstadtverein sein. Wir sind anders. Vielleicht wie der FC St. Pauli. Wir haben Charakter, das mögen Menschen – und auch Sponsoren. Wir haben den Anspruch, die Nummer 1 zu werden.

Wann hätten Sie es denn gern?

Nicht in den nächsten Jahren.

Das Gespräch führte André Görke .

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