Meine Paralympics : Euphorie und Emotionen

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Annette Kögel ist Begründerin des Medienprojekts „Paralympics Zeitung“ des Tagesspiegels und schreibt hier an jedem ersten Donnerstag des Monats. Foto: Rückeis
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Diese Schallwelle, sie ging durch und durch: 80 000 Menschen, die in derselben Sekunde vom Sitz aufspringen und mit der Phonstärke eines startenden Flugzeuges ihren Athleten im Rennrollstuhl unten auf der Bahn anfeuern. Es waren unglaubliche Szenen bei den Sommerparalympics 2012 in London. Die Briten waren dermaßen im Paralympics-Rausch, dass der Fernsehsender Channel 4 wegen des Publikumsinteresses sein Programm umstellte: 24 Stunden Behindertenleistungssport nonstop.

Die nächsten Paralympischen Sommerspiele stehen vor der Tür, 2016 trifft sich die Welt in Rio de Janiero. Erst gibt es Olympia und dann Paralympia an der Copacabana. Und schließlich, 2024 oder 2028, sollen Empathie und Emotionen der weltbesten Athleten mit Körperbehinderung auch das Publikum in Berlin verzaubern. Allein, der erste Anlauf der Berliner Bewerbung für Olympia und Paralympia löste keinen frenetischen Jubel aus.

Für das Konzept, die Paralympics erstmals vor den Olympischen Spielen stattfinden zu lassen, hat leider niemand so recht mit der Paralympics-Szene gesprochen. Oder Einwände gar nicht hören wollen. Ob der Deutsche Behindertensportverband (DBS) oder das Internationale Paralympische Komitee IPC – alle wandten ein, dass Paralympioniken lieber weiter auf der Welle der olympischen Begeisterung mitschwimmen wollen, mit erprobter Technik in warm gemachten Sportarenen. In diesem Sinne sollte Berlin in seiner Bewerbung Paralympische Schauwettkämpfe bereits während der Olympischen Spiele aufnehmen. Wenn das Publikum live sieht, wie spektakulär Rennrollstuhlfahrer durchs Stadion zu fliegen scheinen, bekommt es schnell Lust auf mehr.

Ganz London hing vor zwei Jahren voller Imageplakate für die „Superheroes“. So etwas muss auch Berlin gelingen. Wenn Olympia abmoderiert wird, muss im gleichen Zuge Paralympia beginnen. Es muss die ganze Stadt bunt beflaggt sein: Wir alle sind Paralympia! Die Spiele sind immer nur so gut wie ihre Vorbereitung. Berlin muss da noch trainieren. Dafür bietet sich übrigens das Wochenende an. Vom 3. bis 5. Oktober begeht das IPC sein 25-jähriges Bestehen. In Berlin.

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