Meine Paralympics : Per Stream zu den Spielen

Unsere Redakteurin Annette Kögel hat mehr als ein Jahrzehnt lang alle Paralympics begleitet: Diesmal kann sie nicht dabei sein - verpasst aber trotzdem nichts, dank der Streaming-Angebote und unserer Berichterstattung.

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Vier Milliarden Menschen könnten diesmal den Sportlern bei den Spielen zuschauen - und die üben schon für ihre Auftritte wie hier die Japaner.
Vier Milliarden Menschen könnten diesmal den Sportlern bei den Spielen zuschauen - und die üben schon für ihre Auftritte wie hier...Foto: AFP

Es sind jetzt wieder diese Tage, an denen ich einen Rollstuhlfahrer im Nationendress am Flughafen sehe – und das Herz höher hüpft in Vorfreude auf die Spiele. Leider sehe ich die Athleten aber diesmal nicht selbst live am Flughafen in Rio, sondern nur auf Whatsapp als Foto. Dank des tollen Teams der „Paralympics Zeitung“, das seit seiner Ankunft in Brasilien reichlich sendet, schickt und postet. Es sind die ersten Spiele seit Athen 2004, die ich als Mitgründerin unseres Nachwuchsjournalistenprojektes PZ aus persönlichen Gründen nicht selbst erleben kann.

Aber zum Glück gibt es heutzutage und ganz anders als beim Start des gemeinsamen Projektes von Tagesspiegel und Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung (DGUV) vor zwölf Jahren nun eine weltweit umfassende Berichterstattung über die Paralympischen Spiele, nicht nur in dieser Zeitung, Print wie Online, sondern auch in den sozialen Medien. Die PZ mit ihren fünf Ausgaben – die erste deutsche liegt Donnerstag bei – hat wieder ein Millionenauflage.

Bestens einstimmen und warmmachen kann man sich auch erstmal auf Youtube mit dem Spot des britischen Fernsehkanals Channel 4: „We’re the Superhumans Rio Paralympics 2016 Trailer“ . Der zeigt Sportler samt schmissigem Bigbandsound mit dem Refrain „Yes we can“. Cool! Wer ein bisschen ernsthafter und fundierter, aber nicht weniger leidenschaftlich an die Sache herangehen will, dem sei die Onlineseite www.tagesspiegel.de/paralympics empfohlen. Da finden sich Berichte, Bilder und Filme des 22-köpfigen Nachwuchsreporterteams aus Deutschland, Brasilien und Großbritannien sowie der Tagesspiegel-Kollegen.

Ehemalige PZ-Reporter nehmen uns Daheimgebliebene im Social-Media-Team der DGUV über Instagram, Snapchat, Twitter und Facebook in die Arenen an der Copacabana mit, alles mitzuerleben unter www.dguv.de/pz. Und dann gibt es noch den Youtube-Kanal, auf dem das Internationale Paralympische Komitee IPC vielfach live streamt unter: „Paralympic SportTV“. Eigentlich braucht man aber für diese Übertragungen Dolby-Surround-Systeme am heimischen Laptop, denn dieses Glücksgefühl, dass einen auch als Journalist durchströmt, wenn wie einst im ausverkauften Londoner Olympiastadion plötzlich mehr als 80 000 Zuschauer im Jubelrausch lauter sind als ein Flugzeug, das kann kein noch so guter digitaler Kanal rüberbringen.

Laut Voraussage der IPC-Statistiker werden so viele Menschen wie noch nie die in der heutigen Mittwochnacht beginnenden Paralympics in Rio de Janeiro verfolgen. 154 Länder wollen TV-Bilder von den Spielen in Brasilien senden – vor vier Jahren in London waren es noch 115. Da 2012 rund 3,8 Milliarden Menschen die Übertragungen gesehen haben, wird diesmal wohl mindestens die Vier-Milliarden-Marke geknackt. Ich bin dabei.

Zu Land, zu Wasser und in der Luft
Mit seiner persönlichen Bestleistung von 8,40 Meter wäre Markus Rehm vor knapp vier Wochen Olympiasieger im Weitsprung geworden. Der 28-Jährige hatte lange Zeit dafür gekämpft, bei Olympia an den Start gehen zu dürfen, dafür ließ der einseitig unterschenkelamputierte Leichtathlet zuletzt seine Prothese und seinen Bewegungsablauf wissenschaftlich untersuchen. Die Analyse ließ auf keinen eindeutigen Vorteil schließen, kam aber zu dem Ergebnis, Rehms Sprung mit Prothese könne kaum mit dem Bewegungsablauf eines Springers mit zwei gesunden Beinen verglichen werden. Sein Traum von einem Olympia-Start ist damit wohl endgültig geplatzt, insbesondere der Leichtathletik-Weltverband hat kein Interesse an inklusiven Wettkämpfen. Das Gesicht der Paralympics in Deutschland wird Rehm wohl trotzdem bleiben, bei der Eröffnungsfeier wird er die deutsche Fahne tragen. In Rio wird ihm Gold im Weitsprung wie schon 2012 in London nicht zu nehmen sein, im Sprint (100 Meter Einzel und Staffel) könnten zwei Medaillen dazu kommen. Lars SpannagelAlle Bilder anzeigen
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07.09.2016 10:37Mit seiner persönlichen Bestleistung von 8,40 Meter wäre Markus Rehm vor knapp vier Wochen Olympiasieger im Weitsprung geworden....

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