Meine Paralympics : Kirsten Bruhn und der Ausstieg aus der Droge Leistungssport

Schwimmerin Kirsten Bruhn hat ein Buch über ihr Leben geschrieben. Der Ausstieg aus dem Leistungssport fiel ihr nicht leicht, glaubt unsere Kolumnistin.

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Die Erfolgschwimmerin. Das war einmal bei Kirsten Bruhn.
Die Erfolgschwimmerin. Das war einmal bei Kirsten Bruhn.Foto: dpa/Jensen

"Das Schwimmen half mir, gegen mein Unglück, gegen die Schmerzen anzukämpfen, und bescherte mir einzelne, später immer mehr Glücksmomente. Ich schwamm, um zu überleben; ich bin ins Leben zurückgeschwommen." Das schreibt Kirsten Bruhn in ihrem gerade erschienenen Buch „Mein Leben und wie ich es zurückgewann“.

Bei einem Motorradunfall im Urlaub in Griechenland als Sozia hatte sie eine Querschnittlähmung erlitten. Sie wurde dank des Rückhalts ihrer Eltern, dank des eigenen Ehrgeizes und auch dank der Liebe zu ihren Nichten und Neffen, so ist zu lesen, zu einer der bekanntesten und erfolgreichsten Behindertensportlerinnen weltweit. Dreimalige Paralympics-Goldmedaillengewinnerin, sechsmalige Weltmeisterin, zuletzt 2014 noch Europameisterin in 100 Meter Brust in 1:37,90 Minuten – seitenweise sportliche Erfolge. Dann kam der Abschied vom Leistungssport. Eigentlich ein schöner, schon 2012 in London hatte sie ihn angedeutet, nach dem Sieg über 100 Meter Brust. Am Anfang hatte sie zu kämpfen, das liest man aus den Zeilen heraus und wünscht sich noch ein bisschen mehr Infos und auch Tipps zum mentalen Ausstieg. Bruhn fehlte nach dem Ende ihrer Schwimmkarriere anfangs der hundertstelsekundengenau messbare Vergleich. Wie misst man den Erfolg als Vortragsrednerin?

Den gab es auch. Kirsten Bruhn bei der Premiere des Paralympics-Film "Gold".
Den gab es auch. Kirsten Bruhn bei der Premiere des Paralympics-Film "Gold".Foto: dpa/Marks

Der Ausstieg aus der Droge Leistungssport, so ist die Erfahrung am Rande der Paralympics, fällt behinderten Athleten auch nicht leichter oder schwerer als nichtbehinderten. Sicher gibt es Athletinnen wie Marianne Buggenhagen, die stößt und stößt und stößt und die auch mit 63 Jahren einfach nicht aufhören will, weil sie das mal tat und da merkte, dass ihr das Training einfach viel zu gut tut. Entscheidend ist aber, welche Erfolgserlebnisse es neben dem Leben in den Arena während der Karriere noch gab. Skifahrer Gerd Schönfelder wurde während des letzten Rennens zum zweiten Mal Vater, er schwang überglücklich ab. Und gerade Teamsportler sind etwa über ihren Beruf parallel integriert.

Die Paralympics in Rio 2016 erlebt Bruhn „aus der zweiten Reihe“, als ARD-Co-Kommentatorin der Spiele. Ich finde, sie sitzt damit weiter in der ersten.

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