Meinung : Podolskis Rückkehr nach Köln - ein Desaster? Nein!

Der seit Wochen erwartete Wechsel ist endlich offiziell verkündet, Prinz Poldi kann sich die Karnevalskappe wieder aufsetzen. Von Kölnern mal abgesehen, scheint die ganze Republik seine Entscheidung nicht gut zu heißen. Doch ist das wirklich so?

Roland Peters
Lukas Podolski
Podolski beim FC - ab Sommer 2009. -ddp

BerlinIn Köln gehört es zum Amtsgeschäft, dass Oberbürgermeister Fritz Schramma Entwicklungen beim größten Fußball-Klub der Stadt kommentiert. So auch nach Bekanntgabe des Podolski-Wechsels: "Poldi gehört zum FC wie der Dom zu Köln." Ein abgedroschener Spruch, der aber die allgemeine Gefühlslage in der Rheinmetropole exakt wiedergibt. Bundestrainer Löw hatte seinem Spieler zuvor geraten, "auf sein Herz zu hören", FC-Präsident Wolfang Overath konnte nun vermelden, er habe genau dies getan. Kölner Bürger blieben bei einer Befragung des Kölner Stadt-Anzeigers zum Ende des Transfer-Hickhacks beim Wesentlichen: "Der FC steigt nicht ab, dann kommt der Lukas und dann sind wir alle glücklich." Punkt.

Podolski ist Publikums-Liebling in Köln und Deutschland - weil er heimatverbunden und bodenständig ist, weil er kultverdächtige Interviews gibt ("is' natürlich Scheiße, ne?") und natürlich wegen seiner Tore. Doch insgesamt 18 Treffer in 58 Bundesliga- und 22 Europapokal-Partien - das ist für einen Stürmer des FC Bayern zu wenig, selbst wenn er in der Nationalmannschaft regelmäßig Bestleistungen abliefert. Der Podolski-Wechsel zum Rekordmeister im Sommer 2006 war ein "Missverständnis" (Goldmann), soviel ist sicher.

Podolski ist ein Magnet

quote start "Totaler Rückschritt für Podolski, wenn man bedenkt, von welchen europäischen Topklubs er alles Angebote hatte. Hier siegt zu seinem Nachteil die Lokalpatriotismus-Gefühlsduselei." quote start Nun die Rückkehr zum 1. FC Köln - für Podolski wirklich ein Desaster, wie Sven Goldmann schreibt? Nein. Für den Sportler Podolski ist es ein Schritt zurück, der zwei nach vorn ermöglicht. Natürlich, Poldi ist kein Regisseur, er wird den 1. FC Köln nicht alleine in der Bundesliga etablieren oder gar nach oben führen können. Aber er wird Magnet sein: Für Fans, für Förderer - und für weitere Spieler, mit denen der Klub dieses Ziel erreichen kann.

Was ihm entgegen kommt, ist die abwartende Spielweise eines Außenseiters. Die Kölner schlugen in der Bundesliga-Hinrunde von allen Teams mit Abstand die meisten langen Bälle in die Hälfte des Gegners hinein. Auch 2003/04, in seiner Debütsaison, erzielte Köln viele Tore über Konter und lange Bälle in die Spitze. Der Verein stieg am Ende ab, doch zuvor hatte Podolski in 19 Spielen zehn Mal getroffen. Wie beim erneuten Abstieg 2006 wird ab kommender Saison wohl alles in Köln auf den Nationalstürmer zugeschnitten sein - aber dieses Mal ist es ein Vorteil. Denn es gibt Podolski die Möglichkeit, sich auf seine Stärken zu konzentrieren: Schnelligkeit, Kaltschschnäuzigkeit und Präzision vor dem Tor.

Positiver Druck für Podolski

Die Angst, er könnte dem immensen Druck in der Rheinmetropole nicht gewachsen sein, ist unbegründet. Druck hemmt, wenn er negativ ist. Doch in Köln erwartet Podolski die positive Variante. Durch seine Rückkehr verbündet er sich mit den Kölner Fans und dem Boulevard: Ich helfe dem Verein und damit euch, nun helft im Gegenzug mir, wieder zu alter Stärke zurück zu finden. Pfiffe bei schlechten Leistungen? Die wird es vielleicht für die Mannschaft geben, aber nicht für den Spieler Podolski. Echte Konkurrenz muss der Heimkehrer im Kölner Kader ebenfalls nicht fürchten. Schon in der vergangenen Saison spielte FC-Trainer Christoph Daum lieber mit Milivoje Novakovic als Stoßstürmer und zwei hängenden Spitzen dahinter - die ideale Position für Podolski.

Entwicklung statt Star-Ensemble

Zehn Millionen Euro soll die Rückkehr des "Prinzen" in seine Heimat gekostet haben, dazu kommen etwa 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt. Solche Summen sind für den zum Fahrstuhlverein mutierten FC ein Risiko. Spieler verkaufen wird er im Gegenzug aber nicht, eher werden weitere hinzubekommen. Das sei ihm zugesichert worden, wird Trainer Christoph Daum in Kölner Medien zitiert. Es wird Podolski die Möglichkeit geben, sich weiter zu entwickeln, mit der Mannschaft, für die Mannschaft - statt in einem Star-Ensemble auf die pure Einzelleistung reduziert zu werden.

In Köln scheint alles justiert worden zu sein, um an vergangene Zeiten anzuknüpfen und den Erfolg zu erzwingen. Die zentralen Figuren hierfür sind: Manager Michael Meier, der im Duo mit Christoph Daum Ende der 80er Jahre zwei FC-Vizemeisterschaften in Folge feierte, Chef-Scout Paul Steiner und natürlich Präsident Wolfgang Overath. Und jetzt Lukas Podolski, der "kölsche Prinz", der bislang letzte, aber nicht minder wichtige in der Reihe. Oder wie es Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma formulierte: "Ich bin froh, dass wir ihn wiederhaben."

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