Sport : Meister aller Klassen

Friedrichshafen holt den dritten Volleyball-Titel

Felix Meininghaus

Friedrichshafen - Mirko Culic dachte schon einen Schritt weiter. Schon nach dem zweiten Spiel in der Finalserie um die deutsche Volleyball-Meisterschaft hat der Trainer von Evivo Düren frank und frei erklärt, für ihn gehe jetzt „gedanklich die Vorbereitung auf die nächste Saison los“. Zum Zeitpunkt dieser Worte stand in der Finalserie Best of five zumindest noch ein Spiel aus. Culic hatte erst gar nicht mehr versucht, die verbliebenen Möglichkeiten beim Showdown dieser Spielzeit auszuloten. Jeder hatte schließlich gesehen, dass die Dürener Chancen, die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte zu erschmettern, nur minimal waren.

Es ist exakt so gekommen, wie es Culic vorhergesehen hat: Der VfB Friedrichshafen gewann auch das dritte Endspiel am Samstag und tat damit den letzten Schritt zur Titelverteidigung. Das 3:0 (25:20, 25:20, 25:15) vor 4000 Zuschauern verdeutlichte noch einmal, wie überlegen Friedrichshafen in der Finalserie auftrumpfte. Am Ende wurde die einseitige Auseinandersetzung zum Schaulaufen des Meisters. Nie zuvor hat sich ein Volleyballteam hierzulande mit solch spielerischer Leichtigkeit, athletischer Wucht und mentaler Dominanz präsentiert. „Wir können stolz sein“, sagte Culic fast unterwürfig, „dass wir beim Finale gegen eine Mannschaft dabei sein durften, die mit Abstand den besten Volleyball in Deutschland spielt.“

VfB-Trainer Stelian Moculescu erreichte mit den Siegen gegen Düren einen Triumph von historischer Tragweite. Nach dem vorangegangenen Gewinn des deutschen Pokals und der Champions League bedeutete der Gewinn der Meisterschaft das Triple. Eine Leistung, die in Europa bislang noch keinem Klub gelungen ist. Moculescu wusste die Tragweite des Erfolgs sehr wohl einzuschätzen. „Dieses Triple zu gewinnen, ist einmalig“, sagte der Mann, der am Abend des größten Erfolges in seinen 57. Geburtstag hineinfeierte: „So etwas wird wohl in Deutschland nicht mehr passieren.“

Für Kristian Knudsen ist alles auch eine Folge des Teamworks. „Diese Mannschaft hat nicht allein deshalb alle Titel geholt, weil sie den besten Volleyball gespielt hat“, dozierte der dänische Angreifer, „sondern auch, weil wir bei uns keine Stinkstiefel drin haben.“ Dabei dürfte der letzte Sieg zugleich auch die Abschiedsvorstellung gewesen sein für die größte Vereinsmannschaft, die Volleyball in Deutschland jemals hervorgebracht hat. Vor allem Jochen Schöps, in der Champions League zum wertvollsten Spieler gekürt, steht im Fokus ausländischer Klubs. „Ich gehe davon aus, dass er uns sicher verlassen wird“, sagt Manager Stefan Mau. Es gibt Gerüchte um eine Offerte des russischen Erstligisten Iskra Odintsovo, der dem Diagonalangreifer ein Jahressalär von für Volleyballer utopischen einer Million Dollar jährlich einbringen soll. Schöps dementiert: „Die Spitzenverdiener dort bekommen die Hälfte, warum sollten sie mir das Doppelte bezahlen?“

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