Sport : Meister als Außenseiter: Eisbären empfangen Hamburg

Claus Vetter

Berlin - Die Zukunft der Eisbären wächst am Berliner Ostbahnhof. Zwischen Betonpfeilern und fünf Riesenbaukränen lässt sich schon erahnen, was für eine gigantische Arena den Deutschen Meister ab September 2008 beherbergen wird. Dann nämlich soll die O2-World fertiggestellt sein, und bei Eishockeyspielen 14 000 Zuschauern Platz bieten.

Die Gegenwart der Berliner ist weniger glamourös, was nicht allein daran liegt, dass die Eisbären ihre Heimspiele in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im schmucklosen Sportforum Hohenschönhausen vor maximal 5000 Zuschauern austragen. Nein, nach zwei Meistertiteln in Serie ist erstmals in der Ära von Trainer Pierre Pagé die Play-off-Teilnahme gefährdet. Ernsthaft sogar, wenn die Berliner heute ihr Heimspiel gegen die Freezers (19.30 Uhr) verlieren sollten. Dann wären die Hamburger den Berlinern als Tabellenfünfter oder Tabellensechster um neun Punkte voraus – das ließe sich in noch sieben Hauptrundenspielen kaum aufholen. Platz sechs muss es aber sein, um direkt in die Play-offs zu kommen – die Teams auf den Rängen sieben bis zehn spielen in „Best-of-three“-Serien (Siebter gegen Zehnter, Achter gegen Neunten) die übrigen zwei Viertelfinalisten aus. Eine neue Regel, über die sie bei den Eisbären vor der Saison gemeckert haben. „Jetzt müssen wir glücklich sein, dass sie den Modus geändert haben“, sagt Stürmer Kelly Fairchild. „Denn selbst wenn wir gegen Hamburg verlieren sollten, ist die Saison ja noch nicht vorbei.“ Dass die Berliner als Tabellenneunter nicht in Schwung zu kommen scheinen, ärgert Fairchild. „Vielleicht liegt es daran, dass andere Teams unser Spielsystem kennen“, sagt der erfahrene US-Amerikaner. „Wahrscheinlich haben uns die vielen Positionswechsel diese Saison nicht gut getan.“ Pagé nämlich würfelt seine Reihen seit Monaten durcheinander. Das aber mit System, sagt der Trainer. „Denn wir sind eine Übergangsmannschaft.“ Pagé verweist darauf, dass die Berliner zuletzt ständig neue Spieler integriert hätten und Manager Peter John Lee sagt, dass man ja ein Team mit Perspektive aufbaue. Wenn die Baustelle am Ostbahnhof keine mehr ist, soll die Mannschaft der Eisbären auch keine Baustelle mehr sein. Lee sagt: „Natürlich wollen wir auch vorher erfolgreich sein.“

Ein Berliner Sieg gegen Hamburg, das DEL-Team, das in jedem Spiel im neuen Jahr Punkte geholt hat, erscheint unwahrscheinlich. Rob Leask, jetzt Hamburger, früher lange Berliner Verteidiger, glaubt gar, dass den Eisbären „zurzeit das Selbstvertrauen fehlt“. Zumindest aber reden sich die Eisbären stark. „Die Freezers waren die beste Mannschaft im Januar“, sagt Pagé. „Nur leider gibt es dafür keinen Pokal, dafür gibt es aber einen im April. Und den wollen wir holen.“

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