Meister Bayern in Berlin : Feierbiest bei der Bierdusche

Kurz nach dem Schlusspfiff übernahm der FC Bayern im Berliner Olympiastadion die Regie. Trainer Louis van Gaal und sein Team feierten mit den Fans und der Meisterschale.

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Rot-Weiß Berlin: Die Bayern feiern im tiefsten Preußen den Titel.
Rot-Weiß Berlin: Die Bayern feiern im tiefsten Preußen den Titel.Foto: ddp

Die 47. Saison der Fußball-Bundesliga war eine knappe halbe Stunde beendet, da zogen die Bayern noch einmal ein perfektes Pressing auf. Bastian Schweinsteiger gab das Signal, er lief den Gegenspieler frontal an, seine Kollegen Danijel Pranjic, Daniel van Buyten und Hamit Altintop stellten die Pass- beziehungsweise Fluchtwege zu. Ihr Gegner hatte keine realistische Chance mehr, sich aus dieser Situation zu befreien. Er flüchtete in den rückwärtigen Raum, rannte hinter das Tor, aber auch das rettete Louis van Gaal, den Trainer des FC Bayern München, nicht mehr. Altintop hielt den Holländer am Arm fest, Schweinsteiger, van Buyten und Pranjic erledigten mit ihren Riesen-Weißbiergläsern den Rest.

Kein Entkommen: Schweinsteiger stellt Trainer van Gaal und lässt das Bier fließen.
Kein Entkommen: Schweinsteiger stellt Trainer van Gaal und lässt das Bier fließen.Foto: dpa

Selbst ein autoritärer Knochen wie Louis van Gaal muss sich am Ende eben den landesüblichen Gepflogenheiten beugen, und die sehen nun einmal vor, dass der Trainer des Meisters die Titelfeierlichkeiten auf dem Rasen nicht trockenen Fußes verlässt. Richtig erwischte es das selbsternannte Feierbiest van Gaal erst beim Marsch in die Bayern-Kurve, als Kapitän Mark van Bommel einen Moment der Unaufmerksamkeit nutzte und den kompletten Inhalt eines Weißbierglases über dem Haupt des Trainers entleerte.

Franck Ribéry war beim Friseurmeister.
Franck Ribéry war beim Friseurmeister.Foto: dpa

Aber so wie van Gaal auf dem Platz wenig dem Zufall überlässt, so hatte er sich auch auf diese unvermeidliche Situation akribisch vorbereitet. Als Bayerns Meistertrainer zur zweiten Halbzeit ein bisschen verspätet aus der Kabine an die Seitenlinie zurückkehrte, musste Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger leise schmunzeln: Van Gaal hatte sich in der Pause extra umgezogen, Anzug, Hemd und Krawatte gegen Trainingsanzug und Turnschuhe getauscht. „Das war ein gutes Zeichen“, berichtete Schweinsteiger. Es war das Zeichen: Wir dürfen ihn duschen.

Dass van Gaal sich ins Unvermeidliche fügte und seinen Spielern den Spaß gönnte, sagte nicht nur etwas über seine grenzenlose Zufriedenheit mit der Saison im Allgemeinen und dem finalen Spiel gegen Hertha im Besonderen; es sagte vor allem etwas über das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft. „Die Spieler haben vom ersten Tag an mich geglaubt“, berichtete van Gaal. „Sie haben mehr an mich geglaubt als der Vorstand. Das ist das schönste Gefühl, das man als Trainer haben kann.“

Hup Bayern hup! Trainer van Gaal lässt sich huldigen.
Hup Bayern hup! Trainer van Gaal lässt sich huldigen.Foto: ddp

Auch deshalb sah der strenge Holländer über den Anflug von Anarchie hinweg, der sich nach dem Konfettiwirbel im Berliner Olympiastadion abspielte. Alles war jetzt erlaubt. Franck Ribéry trug eine lustige rote Perücke, Ivica Olic eine tiefschwarze Sonnenbrille, vermutlich schon im Vorgriff auf den hellen nächsten Morgen, Holger Badstuber hatte sich einen ulkigen Panamahut auf den Kopf gesetzt und Bastian Schweinsteiger die Handschuhe von Torwart Jörg Butt übergestreift. „Ihm war kalt“, sagte Butt.

Mann der Saison: Arjen Robben trifft in Berlin - wie fast immer.
Mann der Saison: Arjen Robben trifft in Berlin - wie fast immer.Foto: dpa

Was ist an einem solchen Nachmittag schon normal? Kurz nach dem Schlusspfiff übernahmen die Münchner im Olympiastadion die Regie. Herthas Stadionsprecher übergab das Mikrofon an seinen Kollegen Stefan Lehmann, der normalerweise in der Münchner Arena seinen Job verrichtet. „Jetzt sag’ ich’s einfach mal“, begann Lehmann. „Ich grüße die Roten hier im Stadion: die Fans vom FC Bayern München!“ Die Irritation der immer noch gut besetzten Hertha-Kurve äußerte sich in wütenden Pfiffen, wurde von den Bayern aber allenfalls am Rande wahrgenommen. Bei der Pressekonferenz, eine gute Stunde später, hatte van Gaal sich schon verabschiedet, da meldete er sich noch einmal zu Wort, um seine Freude darüber auszudrücken, dass das Berliner Publikum bei der Siegerehrung sitzen geblieben war und „mit Respekt“ gratuliert hatte: „Danke für diese Geste!“

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