Sport : Meister der Herzensbrecher

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Was will Schalke eigentlich? Von sich selbst, von einem Trainer? Will der Verein die Meisterschaft mit allen Mitteln, also Felix Magath? Oder mehr Romantik in der Ruhrgebietsromeovariante, mit Huub Stevens, dem knurrenden Charmeur im Trainingsanzug? Ein Eurofighterfanidol auf der Bank, wie Mike Büskens oder Marc Wilmots? Konzeptfußball mit Ralf Rangnick oder Mirko Slomka? Alles schon gehabt, nichts hat geklappt, auf Dauer.

Schalke ist in Trainerdingen Meister der Herzensbrecher. Wer anderen das Herz bricht, der weiß meist selbst nicht, was er will, probiert wild herum und macht dann schnell wieder Schluss. Im Grunde will Schalke ja alles: Erfolg, Folklore, modernen Fußball, alles auf einmal, und das am besten als Meister, also echter Meister, nach 34 Spieltagen.

Und weil Schalke viel will, seit Jahren, gibt man dafür viel Geld aus, macht viele Schulden, und dann muss man auf einmal immer schneller immer mehr wollen, um die Schulden abzuzahlen. Alles kann man sich leisten, nur Geduld nicht, ein Schalker Teufelskreisel. Dabei will Manager Horst Heldt, das betont er oft, vor allem Konsolidierung und Kontinuität. Er ist ein Bewunderer des Dortmunder Modells: mit dem richtigen Trainer will er über Jahre bis ganz nach oben, wie Jürgen Klopp und der BVB. Das imponiert, auch wenn man das im Westen des Ruhrgebiets nicht laut sagen darf. Schalke übersieht dabei: Dortmund steckte auch mal in der Erfolggierschuldenspirale und erst als man vor dem Aus stand, bekam Klopp zwei Jahre Anlaufszeit im Tabellenmittelfeld.

Schalke ist das fast zu wünschen: Denn wer fast nichts mehr hat, der lernt vieles zu schätzen – auch den eigenen Trainer, statt dem nächsten das Herz zu brechen.

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