Sport : Meister der Schmerzen

Beim FC Bayern steht zum Saisonende ein Umbruch an – umso wichtiger ist der Erfolg in der Rückrunde

Klaus Raab[München]

Am Montag gab Bayern München eine für die Bereiche Abwehr und Mittelfeld wichtige Vertragsverlängerung mit einem Mitglied des deutschen Nationalteams bekannt: Bianca Rech bleibt bis 2008 bei der Frauen-Bundesligamannschaft. Bei den Männern sind Fragen offen – zum Beispiel immer noch die: Wie füllt man die Lücke, die Michael Ballack hinterlassen hat? Oder die: Wie bewältigt der Verein zu Saisonende den größten personellen Umbruch im Mittelfeld seit 1992? Sebastian Deisler, Mehmet Scholl, Hasan Salihamidzic, wohl Ali Karimi, möglicherweise auch Owen Hargreaves stehen dann nicht mehr zur Verfügung – und das war nur das Mittelfeld.

Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sagt: „Seit 30 Jahren gibt es bei uns in regelmäßigen Abständen Umbrüche. Und man darf eins nicht vergessen: Wir tauschen mit Leuten wie Mehmet Scholl oder Hasan Salihamidzic Spieler, die ihren Zenit überschritten haben, gegen jüngere Spieler.“ Jungnationalspieler Jan Schlaudraff aus Aachen etwa. „Er wird bei uns eine Rolle spielen, das ist gewiss“, sagt Rummenigge – was eine Kritik an allen Kritikern ist, die den Transfer auf die Äußerung von Manager Uli Hoeneß verkürzen, man habe „die Muskeln spielen lassen“, um ihn nicht der Konkurrenz zu überlassen. Auch Schlaudraff selbst sagt: „Ich weiß, was ich getan habe, als ich in München unterschrieb. Und ich gehe nicht dahin, um auf der Bank zu sitzen“ – egal, welche Mitspieler noch geholt würden.

Tatsächlich ist die Mannschaft von Trainer Felix Magath hinter den Spitzen eher unterbesetzt. Der nach wie vor sehr junge Bastian Schweinsteiger, 22, trägt, wenn Magath mit Mittelfeldraute spielen lässt, die Verantwortung fast allein. „Weniger Mittelfeldspieler können wir nun nicht mehr gebrauchen“, sagte Magath nach Deislers Karriereende.

Gerade sind die Bayern noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv geworden, ein Mittelfeldspieler stehe „kurz vor der Unterschrift“, sagt Rummenigge, ohne Namen zu nennen. Es wird nicht der letzte Neue sein – was weitere Unsicherheit schafft. Die Unsicherheit aber, die in den FC Bayern nicht nur hineininterpretiert, sondern dort selbst auch artikuliert wird, betrifft weniger die kommende Saison als die laufende. „Bei uns beschäftigt sich keiner mit irgendwelchen Umbrüchen“, sagt etwa Torwart Oliver Kahn – nur mit Dortmund, dem heutigen Gegner. Rummenigge sagt: „Um nächstes Jahr mache ich mir keine Sorgen. Wichtig ist, dass wir diese Saison gut über die Bühne kriegen. Man darf nicht arrogant sein und glauben, die Meisterschaft wird ein Selbstläufer. Schalke und vor allem Bremen werden es uns schwer machen.“

Dennoch starten die Bayern unter guten Vorzeichen in die Rückrunde: Es sind nur drei Punkte zur Tabellenspitze, und gegen Schalke und Bremen spielen sie zu Hause. Magaths Kotrainer Seppo Eichkorn sagt: „Die Vorbereitung war insgesamt gut, und die Personalsituation hat sich schon wieder entspannt.“ Scholl und Hargreaves sind fast genesen; auch Schweinsteiger, der neben Lahm, Kahn und van Buyten in der Vorrunde die meisten Spiele machte, hat eine Grippe auskuriert. Und sprach Magath zuletzt noch von „zu vielen Gegentoren, um Meister zu werden“, sagt er nun: „Wir haben eine schwächere Vorrunde gespielt, das wissen wir – aber jetzt läuft es anders, wir sind auf dem Weg, kompakter zu werden.“ Daniel van Buyten sagt, er und sein für uneffektive Vorstöße zuletzt gescholtener Abwehrkollege Lucio hätten an ihren Kommunikationsproblemen gearbeitet. Und Oliver Kahn fügt hinzu: „Nicht nur bei diesen beiden, insgesamt ist die Feinabstimmung besser geworden.“

So scheint es auch eine Frage der Tagesform zu sein, ob der Meister Selbstbewusstsein oder Unsicherheit ausstrahlt, oder abhängig davon, auf wen man gerade sein Augenmerk richtet: Der defensive Mittelfeld-Allrounder Andreas Ottl etwa, 21, aus der eigenen Jugend, ist eine feste Größe; der Stürmer Lukas Podolski, 21, teurer Stareinkauf und Nationalspieler, nicht. „Lukas Podolski muss seinen ersten Vereinswechsel noch verarbeiten“, sagte Magath dazu im Bayerischen Rundfunk. Und Ottl fügt an: „Als junger Spieler hier ist es nicht immer einfach, sich durchzusetzen, man braucht Glück. Und das muss man dann festhalten.“

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