Sport : Meister des Comebacks

Fechter Joppich und sein harter Weg zum EM-Gold.

Zagreb - Als bei der Siegerehrung in der Arena von Zagreb die deutsche Nationalhymne erklang, war Peter Joppich in Gedanken nicht bei seinem Triumph. Er habe vor allem an seinen Vater gedacht, erzählte der neue Europameister im Florett später. Anfang des Jahres war sein Vater nach schwerer Krankheit gestorben. „Der Titel hätte ihn sicher gefreut“, sagte der Fechter aus Koblenz. Der Erfolg von Zagreb war keine Selbstverständlichkeit für Joppich, der in den vergangenen Monaten immer wieder Probleme hatte, sich auf den Sport zu konzentrieren. Der Titel sei immens wichtig für Joppich, sagte Bundestrainer Ulrich Schreck. „Wir haben viele Gespräche geführt. Er musste sich immer wieder aufraffen.“

Peter Joppich hat sich aufgerafft und gesiegt – der EM-Titel fehlte ihm noch. Den Finalkampf gegen den russischen Titelverteidiger Alexej Tscheremisinow gewann er 15:11. Joppichs sportliche Vita wies schon eine eigenartige Lücke auf: Viermal war er Weltmeister mit dem Florett – bei Europameisterschaften aber war er als Individualstarter stets leer ausgegangen. Jetzt, mit dem Europameistertitel, fällt „eine Last von mir ab“, sagte Joppich. Auf der Planche habe er alles an Problemen verdrängen können – auch die Gedanken an sein lädiertes rechtes Sprunggelenk, obwohl der Griff immer wieder an diese schmerzende Stelle ging. Joppich agierte vor den menschenleeren Rängen der 16 000 Zuschauer fassenden Zagreber Arena wie so oft in seiner Karriere zuverlässig inkonstant. Es war „ein ganz schmaler Grat“ zwischen Aus und Triumph, sagte Bundestrainer Ulrich Schreck zu den Auftritte seines Besten. „Eigentlich hätte er schon vier Stunden früher im Hotel sein können“, sagte Schreck nach Joppichs Turnierverlauf. Gegen den Briten Marcus Mepstead holte Joppich einen 4:11-Rückstand auf, eine Runde danach wehrte er gegen den Franzosen Jeremy Cadot beim 11:14 jede Attacke ab und siegte noch 15:14.

Aber der starke Wille ist es eben, der den Fechter Joppich ausmacht und auszeichnet. Wie schon bei seinem jüngsten WM-Titelgewinn 2010 in Paris, als er mehrfach vor dem Aus stand und sich immer in die nächste Runde und am Schluss zum Gold rettete. „Fechten ist brutal“, sagte der Koblenzer seinerzeit. „Das kann auch mal nach hinten losgehen“, sagt Bundestrainer Schreck. Aber an sich sei auf seinen Star Verlass: „Er hat einfach ein großes Kämpferherz. Und er ist halt ein Winner-Typ, wenn er Gold riecht.“ Und mit dieser stark ausgeprägten olfaktorischen Fähigkeit will Joppich mindestens bis zu den Spielen von Rio de Janeiro 2016 weitermachen. Denn nun fehlt ihm nur noch eines zur Vollendung seines sportlichen Gesamtwerks: eine olympische Einzelmedaille. dpaZAGREB ARENA]

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