Sport : Meister des hässlichen Golfspiels

Todd Hamilton siegt bei den British Open

Thomas Lötz

Ernie Els hatte es nicht kommen sehen. Nachdem er und sein Spielpartner im letzten Flight, der US-Amerikaner Todd Hamilton, am frühen Sonntagabend auf der 18. Spielbahn des Royal Troon Golf Club abgeschlagen hatten, ließ sich Els von seinem Caddie erst mal einen Schokoriegel reichen – aus Freude. Denn der Südafrikaner hatte beobachten dürfen, wie der mit einem Schlag Vorsprung auf ihn führende Hamilton seinen Drive ins Rough auf der rechten Seite verzogen hatte. Der Ball von Els hingegen lag wunderbar platziert, sein zweiter Schlag landete zum Birdie auf dem Grün vor dem Klubhaus in Troon. Den Ball jetzt nur noch über etwa drei Meter ins Loch schieben, und Els hätte nach 2002 seinen zweiten British-Open-Titel sicher gehabt. Aber Els benötigte zwei Putts, konnte das Match nur ausgleichen, weil Hamilton erst mit Schlag fünf einlochte, und so fand die 133. Auflage des einzigen europäischen Major-Turniers noch kein Ende. Die Entscheidung sollte nach vier weiteren Löchern des Stechens erfolgen – und das gewann Hamilton.

Nicht nur des Stechens wegen war es ein denkwürdiger Open-Schlusstag. Ernsthaft hatte keiner auf den vor Turnierbeginn als 500:1-Außenseiter gehandelten Hamilton gesetzt, nicht einmal als dieser vor der Schlussrunde mit einem Schlag Vorsprung auf Els gestern auf die Runde gegangen war. Wahrscheinlicher als den Sieg Hamiltons erachteten viele sogar noch einen Erfolg des Weltranglistenersten Tiger Woods (USA), der vier Schläge Rückstand auf seinen Landsmann an der Spitze aufwies. Doch Woods schoss sich an Loch 12 mit einem seiner insgesamt drei Bogeys aus dem Rennen. Derweil hielt sich Hamilton, der in diesem Jahr nach sechzehn Jahren auf unterklassigen Circuits wie der Canadian- und Japan–Tour, als 38-Jähriger den Sprung auf die große US–PGA-Tour geschafft hatte, weiter an der Spitze.

Ernie Els war nach einem Doppelbogey auf Loch 10 zwischenzeitlich abgetaucht, hatte sich dann aber mit Birdies auf 13, 16 und 17 seinen Platz im Stechen erkämpft. Am dritten Extraloch gönnte sich der Südafrikaner ein Bogey und brachte Hamilton damit in Front. Mit dem gleichen Ergebnis wie eine knappe Stunde zuvor kamen die beiden dann erneut auf die 18. Spielbahn. Wieder hatte der US-Amerikaner einen Vorsprung von einem Schlag, erneut lag Els zum Birdie – doch diesmal schob der Südafrikaner seinen Putt vorbei, Hamilton lochte ein und wurde damit zu einem Sensationssieger bei den British Open. Übrigens nicht für Els: Der Weltranglistenzweite Els kennt Hamilton noch aus gemeinsamen Zeiten auf der Japan-PGA-Tour. „Für euch“, sagte der Südafrikaner zu Pressevertretern in Troon, „mag das vielleicht eine Überraschung gewesen sein.“ Aber Todd Hamilton sei ein sehr guter Spieler, der für das bei einer Open typische Linksgolf (ein typischer britischer Küstenplatz) alles mitbrächte.

Todd Hamilton nennt diese Art Golf zu spielen „hässlich“. „Bei 180 Metern zur Fahne nimmst du normalerweise ein Eisen fünf, vielleicht eine sechs. Aber hier kannst du mit einem Eisen drei oder vier den Ball aufs Grün chippen und ihn laufen lassen – das nenne ich hässliches Golf“, sagt er. „Und dummerweise bin ich ziemlich gut im hässlichen Golf.“ In der Tat ist das Todd Hamilton, das musste die Konkurrenz bei den British Open erkennen.

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