Sport : Meister des Minimalismus

Juventus Turin gewinnt glücklich in der Schlussminute 1:0 bei Bayern München

Daniel Pontzen[München]

Es ist die letzte Minute im Münchner Olympiastadion: Turins Zlatan Ibrahimovic stetzt sich auf der linken Seite gegen zwei Münchner durch. Seine Gegenspieler Torsten Frings und Owen Hargreaves sehen zu, wie Ibrahimovic in den Strafraum flankt. Deutschlands Nationaltorwart Oliver Kahn läuft auf den Ball zu, fängt ihn, lässt ihn wieder fallen, und Turins Alessandro del Piero schießt ihn ins Tor. Es war der am Ende etwas überraschende 1:0 (0:0)-Sieg für Juventus Turin beim FC Bayern München. Turin ist damit bereits für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert.

„Wir werden die Gruppe gewinnen“, hatte Fabio Capello, der Trainer von Juventus Turin, schon vor dem Spiel in lässigem Plauderton angekündigt. Es staut sich zwangsläufig einige Selbstsicherheit an bei dem, der seine Gegner scheinbar nach Belieben beherrscht, national wie international, so wie Juve, das in den ersten zwölf Pflichtspielen der Saison elf mal siegte und gerade zwei Gegentore zuließ. Mit jenem Vertrauen in die eigene Stärke schien der Tabellenführer der italienischen Serie A auch in München zu Felde zu ziehen. 11 Sekunden dauerte es bis zum ersten Eckball, 31 Sekunden bis zur ersten Chance der Gäste. Doch nach jenem Kopfball von Ibrahimovic stellten die Meister des Minimalismus ihre Bemühungen kurzerhand ein. Die Bayern dominierten Spiel und Gegner, mussten sich am Ende jedoch in die Niederlage fügen. Denn in der Nachspielzeit vergab Münchens Stürmer Roy Makaay noch eine große Chance auf den Ausgleich.

Bayerns Trainer Felix Magath hatte erneut seiner jüngst erwachten Vorliebe zur Rotation nachgegeben und anstelle der international noch unerfahrenen Andreas Görlitz und Tobias Rau auf Torsten Frings und Hasan Salihamidzic zurückgegriffen, zudem den verletzten Zé Roberto durch Bastian Schweinsteiger ersetzt. Die auffälligste Veränderung im Spiel der Münchner gegenüber dem jüngsten 0:2 in Mönchengladbach indes war ein anderes Element: bedingungslose Hingabe, von Beginn an.

In der ersten Viertelstunde hatten sich die Münchner bereits mehr Chancen erarbeitet als in den gesamten 90 Minuten beim ersten Vergleich vor zwei Wochen in Turin. Zunächst setzte Frings den Ball aus 18 Metern knapp übers Tor, nicht eine Minute später kam Schweinsteiger in ähnlicher Position an den Ball: Sein Schuss landete an der Unterkante der Latte, prallte Zentimeter vor der Linie auf, den Nachschuss verwandelte Owen Hargreaves, doch es folgte kein Jubel – Schiedsrichter Graham Poll aus England hatte auf Abseits entschieden.

Ungerührt setzten die Münchner ihre Bemühungen fort. Makaay, der in den letzten Wochen ebenfalls eine Produktionspause eingelegt hatte, prüfte Italiens Nationaltorwart Gianluigi Buffon mehrmals aus guter Position.

Juve dagegen verweigerte bis zur Schlussminute geduldig den Nachweis, auch offensiv zu den Besten des Kontinents zu gehören. Pavel Nedved, Alessandro del Piero, Emerson – Turins kreative Prominenz tummelte sich zwar auf dem Feld, begnügte sich aber lange mit schierer Präsenz. Das 0:0 zur Halbzeit schmeichelte dem Gast, wie 8:1 Torschüsse zugunsten der Münchner und 57 Prozent Ballbesitz belegen. „Wir müssen einfach so weitermachen“, lautete das schlichte wie logische Pausenfazit von Bayerns Manager Uli Hoeneß. Seine Elf enttäuschte ihn auch in der zweiten Halbzeit nicht. Nur gelegentlich deuteten die Turiner an, einen am Schluss aktiveren Part einzunehmen. Gefahr brachte aber erst wieder del Pieros Chance in der Schlussminute. Sie mündete im Sieg für Juve.

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