Meister des Willens : Pierre Pagé würdigt Eisbären-Trainer Don Jackson

Eisbären-Trainer Don Jackson ist jetzt der erfolgreichste Coach der Deutschen Eishockey-Liga. Sein Vorgänger und Lehrmeister Pierre Pagé gratuliert ihm.

Pierre Pagé
Zwei Männer, ein Team. Don Jackson (links) arbeitete einst unter Pagé.
Zwei Männer, ein Team. Don Jackson (links) arbeitete einst unter Pagé.Foto: Imago

Ach ja, der Don Jackson. Der war schon immer ein feiner Kerl. Privat sowieso. Auf dem Eis war das früher anders. Als junger Spieler war er ein knallharter Verteidiger. Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich ihn damals zum ersten Mal gesehen habe. Es war ein Spiel in Montreal, in einer unterklassigen Liga. Da war ein junger Verteidiger aus Minnesota, der in einem Spiel gleich drei Faustkämpfe hinlegte. Was hat der sich geprügelt. Ich habe irgendjemanden gefragt, wer denn dieser Kerl ist. Es war Don Jackson.

Nun also ist Don Jackson Rekordtrainer in der Deutschen Eishockey-Liga, er hat am Dienstag seine vierte Meisterschaft mit den Eisbären gewonnen. Vier Titel in der Liga, das hat vorher nur mein alter Freund Hans Zach geschafft. Aber der hat dafür zwei Jahrzehnte gebraucht. Don ist ja erst seit fünf Jahren bei den Eisbären und dann vier Mal zu gewinnen – das ist eine unglaubliche Bilanz, die mich aber nicht überrascht. Ich wusste schon immer, dass Don eine besondere Persönlichkeit ist. Als Spieler hat er sich hochgeboxt – und dann hervorragend auf dem Eis verteidigt. Er war ein Weltklasseverteidiger. Wer mit den Edmonton Oilers, einst der beste Klub der Welt, zwei Titel in der National Hockey League gewinnt, der kann nicht schlecht sein.

Don war in seiner Spielerkarriere mit Wayne Gretzky, Paul Coffey und Mark Messier in einem Team. Das Zusammenspielen mit den Weltstars hat ihn geprägt, da hat er viel gelernt. Vor allem den unbedingten Siegeswillen. Den hat er mit zu den Eisbären gebracht, wie man ja in der Finalserie gegen Mannheim sehen konnte. Dass die Eisbären da aus aussichtslos erscheinenden Situationen immer wieder zurückkamen, ist auch das Werk von Don. Er weiß, wie er die Spieler motivieren muss.

Als Trainer hat er vielleicht auch etwas von mir gelernt. Er war ja schon mit mir in Quebec in der NHL, 2005 habe ich ihn dann als Co-Trainer zu den Eisbären geholt. Damals suchte er einen Job und hat mich um Hilfe gebeten. Ich habe mich gefreut, dass er nach Berlin kam, und er hatte dann seinen Anteil an der ersten Meisterschaft der Eisbären. Einen besseren Nachfolger als ihn konnte ich mir daher nicht vorstellen, als ich 2007 Berlin verlassen habe.

Don hat sich längst von mir emanzipiert. Aber wir telefonieren viel, und als ich im August mit meiner Mannschaft RB Salzburg in Berlin war, haben wir einen sehr netten Abend verbracht. Am Morgen danach bin ich dann mit ihm um sieben Uhr früh zum Wellblechpalast gefahren. Da musste ich hin, das musste ich noch einmal sehen. Dort habe ich meine zwei Meisterschaften mit den Eisbären gewonnen. Die neue Arena gehört aber Don, es ist seine Arena, es ist seine Ära.

Sein Erfolg ist besonders hoch einzuschätzen: Ich kenne Berlin, und Berlin ist nicht einfach. Die Erwartungen sind immer hoch, manche Klubs der Stadt zerbrechen daran. Aber Don zerbricht an gar nichts, von dem prallt alles ab. Nun hat er mit den Eisbären Geschichte geschrieben. Aus dem harten Jungen von früher ist ein Coach mit einer sehr erfolgreichen Philosophie geworden.

Ich gratuliere ihm zu seinem vierten Titel mit den Eisbären und glaube nicht, dass es schon der letzte in Berlin mit Don Jackson war.

Pierre Pagé, 63, war von 2002 bis 2007 Trainer der Eisbären. Aufgezeichnet von Claus Vetter.

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