Sport : Meister ohne Revier

Borussia Dortmund verliert das Derby gegen Schalke 04 verdient 1:2 – der amtierende Meister liegt nun schon zwölf Punkte hinter dem FC Bayern.

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Dortmund sieht blau. Schalkes Ibrahim Afellay (oben) freut sich über das 1:0, Torwart Roman Weidenfeller (unten) fand es weniger erfreulich. Fotos: dpa
Dortmund sieht blau. Schalkes Ibrahim Afellay (oben) freut sich über das 1:0, Torwart Roman Weidenfeller (unten) fand es weniger...Foto: dpa

Lewis Holtby entledigte sich seines Trikots und schwenkte das blaue Textil wie wild über seinem Kopf, während sich Marco Reus eine Trinkflasche schnappte und gesenkten Hauptes vom Rasen schlich. Die Gefühlslage war klar: Schalke jubelt, während Dortmund leidet und schlucken muss. Die Gäste gewannen die 141. Auflage des Revierklassikers vor 80 645 Zuschauern im ausverkauften Dortmunder Stadion mit 2:1 (1:0) – das war ihnen seit 2010 nicht gelungen. Der amtierende Meister dagegen sieht den FC Bayern davoneilen, der Abstand beträgt bereits zwölf Punkte.

Die Gastgeber mussten die verletzten Jakub Blaszczykowski, Mario Götze, Marcel Schmelzer und Ilkay Gündogan ersetzen, Schalkes Trainer Huub Stevens ließ Jermaine Jones auf der Bank. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp reagierte auf die geballte blau-weiße Offensivstärke, indem er Sven Bender aus dem Mittelfeld in den Abwehrverbund zurückzog. Er bildete mit Neven Subotic und Mats Hummels eine Dreierkette, vor der sich fünf Mittelfeldspieler bewegten. Eine Systemumstellung, die nicht funktionierte. Nach einer knappen halben Stunde beendete Klopp das Experiment und beorderte Bender weiter nach vorn. Hernach äußerte sich Klopp selbstkritisch: „Die Niederlage geht auf meine Kappe, ich wollte der Mannschaft mit der Systemumstellung helfen, aber das hat nicht funktioniert.“ Schalkes Trainer Huub Stevens zeigte sich „überrascht, dass Dortmund in einer anderen Grundordnung gespielt hat, wir konnten aber gut darauf reagieren“.

Diejenigen, die sich am meisten vom taktischen Manöver aus dem Konzept bringen ließen, waren die Dortmunder selbst. Als Klopp korrigierte, lagen die Schalker bereits vorn, und das völlig verdient, weil sie engagierter und zielgerichteter zu Werke gingen. Den ersten Torschuss des Spiels nutzte Ibrahim Afellay zur Schalker Führung. Der niederländische Nationalspieler nahm eine Flanke von Atsuto Uchida auf und platzierte den Ball an den linken Innenpfosten, von wo er ins Tor sprang.

Wer dachte, nun würden die Dortmunder wütend anrennen, sah sich getäuscht. Kein Tempowechsel, kein Überraschungsmoment, der Meister agierte merkwürdig gehemmt. Klopp, der so gern von Vollgasveranstaltungen spricht, tobte an der Seitenlinie und forderte seine Spieler vehement zu mehr Engagement auf. Es dauerte 37 lange Minuten, ehe Reus der erste Dortmunder Torschuss gelang, doch sein halbherziger Versuch brachte Schalkes Torhüter Lars Unnerstall nicht wirklich in Verlegenheit. Dortmund hatte nun zwar mehr Spielanteile, wirklich zwingend waren die Bemühungen jedoch nicht. Schalke beschränkte sich darauf, sicher zu stehen und darauf zu vertrauen, durch Farfan oder den enorm spielfreudigen Afellay weitere Konterchancen zu bekommen.

Nach dem Seitenwechsel hatte sich der BVB noch nicht sortiert, da hatten die Gäste aus der Nachbarschaft ein weiteres Mal zugeschlagen. Holtby nutzte einen Dortmunder Ballverlust an der Mittellinie und schickte Marco Höger auf die Reise, der Torhüter Roman Weidenfeller mit einem platzierten Flachschuss keine Chance ließ.

Die Dortmunder schüttelten sich und schlugen zurück. Nach einer Flanke von Reus war Robert Lewandowski mit dem Kopf zur Stelle und markierte den Anschlusstreffer. Sofort waren die Dortmunder Fans da und trieben die Männer in schwarz-gelb lautstark nach vorn. Reus dribbelte sich in den Strafraum, ließ sich jedoch abdrängen und drosch den Ball ans Außennetz. „Wenn du hier den Anschlusstreffer bekommst“, sagte Stevens, „ist es klar, dass es ganz schwierig wird“. Und Dortmunds Manndecker Mats Hummels ergänzte: „Erst in der zweiten Halbzeit war es ein richtiges Derby.“

Endlich war Feuer im Spiel, das Duell wurde nun zum leidenschaftlich geführten Schlagabtausch, in dem Chancen jedoch rar blieben. In der 72. Minute war es erneut der wieselflinke Afellay, der den Dortmundern davoneilte, doch diesmal bekam Weidenfeller die Hand an den Ball. Es reichte den Schalkern auch so, einen Erfolg zu sichern, der im Ruhrgebiet als besonders wertvoll gefeiert wird.

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