Meister Petz : „Die Leute trinken mehr“

Mainz will am achten Spieltag zum achten Mal in Folge gewinnen. Ex-Torwart Manfred Petz war mit dem FSV schon einmal Meister – Deutscher Amateurmeister 1982.

Manfred „Moppes“ Petz, 49 (l.), war von 1978 bis 1995 Torwart in Mainz und absolvierte 42 Zweitligaspiele. Er arbeitet im Außendienst einer Getränkefirma.
Manfred „Moppes“ Petz, 49 (l.), war von 1978 bis 1995 Torwart in Mainz und absolvierte 42 Zweitligaspiele. Er arbeitet im...Foto: dpa

Herr Petz, fühlen Sie sich noch als Deutscher Meister?

Naja, wir konnten das mit dem Meister schon einschätzen. Kaufen konnte man sich nichts dafür, aber es war der einzige Titel auf dem Wimpel.

Sie sind 1982 als Torwart mit dem FSV Mainz 05 Deutscher Amateurmeister geworden. Erinnern Sie sich noch an die Meisterschaftsfeier?

Wir haben uns ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Und wir haben viel gesungen. Damals hatten wir noch nicht so viele Nationen in der Mannschaft, das meine ich nicht bös’. Aber da kannst du kein Fassenachtslied anstimmen

Was haben Sie denn gesungen?

Von „Meenz bleibt Meenz“ bis „Ritzamba“ und „Humba Tätärä“. Wir haben schon eine besondere Mentalität in Mainz. Letzte Woche war ich beim Oktoberfest in Mainz. Da war so viel Laune, dass auch Leute, die das große Oktoberfest kennen, sagen: Ja Sackzement, das ist hier ja gemütlicher als in München.

Was hat der Titel von 1982 bedeutet?

Es war der Beginn von Kontinuität. Von den Spielern weiß das heute keiner mehr. Vor dem Spiel kürzlich gegen Bayern München habe ich einen Zeitungsreporter flachsig zusammengeschissen: Die ganzen Titel der Bayern hast du aufgelistet, aber unseren hast du vergessen.

Erinnern sich denn die Mainzer an Sie?

Gestern bin ich über die Straße gelaufen, da hat mir ein Teerarbeiter nachgerufen: Du bist doch der Moppes! Dann hat er seine Kapp’ abgenommen, einen Stift rausgeholt und ich habe ihm ein Autogramm draufgeschrieben. Ich habe gedacht: Du lieber Mann, die Leut’ kennen einen noch.

Das Mainzer Fußballpublikum war in der 80er Jahren sehr kritisch. Nach schlechten Spielen hörte man überall: „Da gehn mer net mehr nuff“, nicht mehr hinauf ins Stadion hinter dem Bahnhof. Erkennen Sie die Mainzer Fußballfans heute noch wieder?

Damals waren das Leute, die sich gesagt haben: Ich gehe seit Jahren jede Woche hoch und es passiert nix und passiert nix. Das hat sich erst mit dem Aufstieg in die Zweite Liga und der Ära Jürgen Klopp gewandelt. Da ist auch der Frauenanteil gestiegen, der liegt jetzt bei fast 50 Prozent und ist viel höher als in anderen Städten.

Heute fällt zu Mainz 05 vielen irgendetwas ein. Was war denn Mainz in den 80ern?

Ein Amateurverein, der versucht hat, in den Profibereich zu kommen. Damals war die Konkurrenz in der Stadt ein Ringerverein, ASV Mainz 88. Die haben um deutsche Meisterschaften gerungen. Wir waren im Fußball nicht mal die Nummer drei in der Region, Eintracht Frankfurt, Kaiserslautern, Kickers Offenbach, Darmstadt 98, die waren alle vor uns.

Gibt es etwas, was damals besser war?

Wir haben sehr lange zusammengespielt. Mit sechs oder sieben Jugendspielern sind wir in die erste Mannschaft gekommen, fünf von uns wurden Stammspieler. Wir haben bestimmt acht bis zehn Jahre zusammen gespielt. Es gab zwei Umkleidekabinen, und wir jungen mussten immer runter in die kleinere. Die Massagebänke waren auch nur für die alten da.

Sie haben Christian Heidels erste Jahre als Manager bei Mainz 05 erlebt.

Der Christian war damals schon extrem ehrgeizig. Jetzt hat er natürlich einen Lauf, da klappt einfach alles. Wenn nur vier von sechs Neuzugängen einschlagen, hast du als Manager einen guten Job gemacht. Damals waren es mal drei von sechs. Jetzt schlagen sechs von sechs ein.

Was erkennen Sie denn heute noch wieder?

Der Walter Notter, der Zeugwart, ist immer noch da. Und die Kontinuität im Vorstand. Mit Ausnahme von einem ist der Vorstand derselbe. Die sind schon 20 Jahre dabei. Und die haben alle gelernt.

Wie erleben Sie die Euphorie in Mainz?

Ich bin bei jedem Heimspiel da und kriege Gänsehaut. Und jede Woche sage ich mir: Super, wenn sie wieder gewinnen würden, aber es langt bald nicht mehr. Aber am Samstag können sie wieder gewinnen, der HSV hat intern Probleme. Wir sehen die Euphorie selbst an unseren Zahlen. Ich bin ja auch zuständig für den Vertrieb vom Bier im Stadion. Die Leute bleiben jetzt viel länger, es wird viel mehr getrunken, weil jeder glücklich ist.

Das Gespräch führte Friedhard Teuffel.

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