Sport : Meister unter Druck

Kiel hat zu Beginn der Handball-Saison Probleme

Hartmut Moheit

Berlin - Vielleicht hätte Zvonimir Serdarusic diese Aussage lieber nicht treffen sollen. Der Trainer des THW Kiel ahnte wohl nicht, dass sie ihm später auf die Füße fallen könnte. „Auf unserem Vereinswimpel sind die Daten unserer Europacuperfolge, Meistertitel und Pokalsiege zu sehen, der Supercup aber fehlt“, hatte er vor dem Supercup gesagt und damit den Eindruck erweckt, die Kieler könnten diese Trophäe im Vorbeigehen mitnehmen. Doch es kam anders, Kiel verlor gegen den Außenseiter HSV Hamburg überraschend 35:39 und ist dadurch für die gestern begonnene Bundesligasaison gehörig unter Druck geraten.

Es ist nicht so, dass das Selbstbewusstsein der Kieler durch diese Niederlage entscheidend gelitten hätte. Nur ist das der Konkurrenten auf einmal schlagartig gestiegen. Kiel steckt in Schwierigkeiten, das ist die Botschaft, die vom Supercup ausgeht. Mit einem Saisonetat von 6,1 Millionen Euro ist der THW zwar der Krösus im deutschen Handball, und hat seine mit internationalen Stars besetzte Mannschaft mit Lars Krogh Jeppesen (vom FC Barcelona), Thierry Omeyer (HB Montpellier) sowie Dominik Klein (TV Großwallstadt) noch einmal verstärkt, aber plötzlich sieht alles überhaupt nicht mehr so rosig aus. Die Saisonziele Titelverteidigung und Champions League erscheinen erst einmal weiter entfernt.

Neben der Niederlage ist es vor allem das große Verletzungspech, das derzeit in Kiel die Stimmung trübt. Und schon sehen die ersten Gegner in der Bundesliga wie heute der in die Ostseehalle kommende TV Großwallstadt ihre Chance. Jeppesen (Rippenbrüche) und Viktor Szilagyi (Kreuzbandriss) fallen noch längere Zeit aus, der französische Europameister Nikola Karabatic wird wegen einer Handprellung im Rückraum nur eingeschränkt einsetzbar sein.

„Wir wollen jedes Spiel gewinnen, das ist unser Anspruch“, sagt zwar Marcus Ahlm, der überragende Kreisläufer aus Schweden, aber dieses Vorhaben wird nun bereits in der Bundesliga um einiges schwerer. Für Serdarusic ergibt sich daraus die Konsequenz: „Wir müssen jetzt Ruhe bewahren und uns durch die ersten Spiele mogeln.“ Wenn eben das Glanzstück beim THW, der Rückraum, derart geschwächt ist, dann funktioniert der ansonsten so perfekt vorgeführte Tempo- Handball nicht mehr. Manager Uwe Schwenker befürchtet sogar: „Wir können nicht nur das erste Auswärtsspiel beim HSV verlieren, sondern auch gleich das erste Heimspiel gegen Großwallstadt und das am 6. September gegen den VfL Gummersbach ebenfalls.“ Dennoch sagt Schwenker: „Wir nehmen aber die Favoritenrolle an.“

Die 18 Trainer in der Handball-Bundesliga, auch Serdarusic, erwarten Kiel am Ende der Saison zum 13. Mal vorn. „Geld bestimmt letztlich den Tabellenplatz“, sagt Trainer Michael Roth vom TV Großwallstadt. Das Problem in Kiel ist nur, dass sich nicht noch einer der Stars verletzen darf. „Wir sind wirtschaftlich ausgereizt. Wir haben zwar einen tollen, aber kleinen Kader. Wir werden mit diesem Kader weiter arbeiten müssen“, verkündet Uwe Schwenker vorsorglich. Flensburg-Handewitt, HSV, Kronau-Östringen, Gummersbach und der bisher einzige deutsche Champions-League-Sieger Magdeburg werden versuchen, Kiel mit Siegen zu Saisonbeginn noch mehr unter Druck zu setzen. Der HSV hat beim Supercup vorgemacht, wie es funktioniert. Das dürfte auch eine Lehrstunde für Zvonimir Serdarusic gewesen sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben