Sport : Meisterhaft überholt

Nick Heidfeld kommt in der Formel 1 in Fahrt

Karin Sturm[Silverstone]

Ein bisschen war Nick Heidfeld schon in Erklärungsnot geraten. Er hatte Probleme im Qualifying, die ihm mehrere Rennen verdarben und ihn im Vergleich zum Teamkollegen Robert Kubica nicht sonderlich gut aussehen ließen. Das wiederum rief Spekulationen hervor, Heidfeld könne 2009 möglicherweise seinen Platz bei BMW-Sauber verlieren.

Seit dem vergangenen Wochenende sind diese Diskussionen verstummt. Formel-1-Pilot Nick Heidfeld belegte beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone hinter dem Briten Lewis Hamilton Platz zwei. Der Mönchengladbacher hatte sich nicht verrückt machen lassen von der Kritik, er arbeitete in den letzten Wochen zusammen mit seinen Ingenieuren härter denn je – und erhielt jetzt den Lohn dafür.

Die Schwierigkeiten im Qualifying, speziell das Problem, die Reifen für eine Runde nicht richtig auf Temperatur bringen zu können, hat er jetzt besser im Griff, „auch wenn es noch nicht hundertprozentig ist“, wie er selbst zugibt. Immerhin reichte es in Silverstone für Startplatz fünf, „und danach haben wir im Rennen alles richtig gemacht“. Entscheidend sei gewesen, die richtigen Reifen zu wählen. „Zeitweise lagen die Rundenzeiten ja, je nach Reifen, bis zu zehn Sekunden auseinander“, sagte Heidfeld. „Und einige Autos wegen falscher Reifen neben der Strecke.“

Auch bei BMW-Sauber hatte man bei diesem Regenrennen beim ersten Stopp überlegt, den gebrauchten Satz Intermediates draufzulassen. Kimi Räikkönen und Fernando Alonso wurde eine solche Entscheidung zum Verhängnis. Bei BMW-Sauber indes wurden neue Reifen aufgezogen. Danach gehörte Heidfeld zu den wenigen, denen es gelang, das Auto auch unter schwierigsten Bedingungen auf der Straße zu halten. Er bewies ein extremes Fahrgefühl, fuhr die zweitschnellste Runde insgesamt – und zeigte sich auch bei vier geglückten Überholmanövern nach seinem ersten Stopp meisterlich. „Es war ein bisschen mit ungleichen Mitteln, weil ich zu diesem Zeitpunkt die besseren Reifen hatte“, sagte Heidfeld, der in der WM-Fahrerwertung nun auf Platz fünf liegt. „Aber trotzdem: einen McLaren und einen Ferrari auf einmal zu schnappen, das passiert nicht alle Tage.“

Auch BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen stellte später vergnügt fest: „Ein tolles Ergebnis für ihn und das Team. Ich glaube, bei ihm ist der Knoten jetzt wieder geplatzt, und ich erwarte ihn auch in den kommenden Rennen in dieser Form.“ Vor allen beim Heimrennen in Hockenheim in zwei Wochen möchte Nick Heidfeld an seine Form von Silverstone anknüpfen. „Natürlich wäre es schön, gerade in Deutschland wieder auf dem Podium zu stehen“, sagte er.

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