Sport : Meisterin des Anfangs

Claudia Pechstein gewinnt über 1500 Meter in Berlin

Klaus Raab

Berlin - Um 13.31 Uhr am Samstag war Claudia Pechstein in einem schweinchenrosanen Rennanzug wieder Deutsche Meisterin über 1500 Meter geworden. Eine Viertelstunde später aber, bei der Siegerehrung, stand schon wieder Gunda Niemann-Stirnemann im Mittelpunkt, Deutschlands und der Welt erfolgreichste Eisschnellläuferin des vergangenen Jahrhunderts. Die Stadionsprecherin würdigte Niemann-Stirnemann, indem sie ihre größten Erfolge aufzählte. Das dauerte fast so lange wie zuvor Pechsteins Lauf über 1500 Meter: etwas weniger als zwei Minuten. Eine Zeit, mit der beide zufrieden sein konnten.

Pechstein trug mit Fassung, dass die Erfurterin viel Beachtung erhielt. Die 39-jährige Niemann-Stirnemann war in dieser Woche wegen anhaltender Rückenbeschwerden zurückgetreten. Und so stand sie nun nicht auf dem Siegertreppchen, sondern davor: Sie übergab Medaillen und Glückwünsche. Pechstein konnte sie nicht nur zum Titel der Deutschen Meisterin gratulieren, den sie sich zurückholen konnte, nachdem sie letztes Jahr nicht am Start gewesen war. Vor allem hatte die Berlinerin mit dem Titelgewinn ein anderes Ziel erreicht, von dem sie nachher den Eindruck erweckte, es sei ihr mehr wert als der Titel selbst: Sie hatte sich nachdrücklich für eine Nominierung für den Mannschaftswettbewerb empfohlen. Die Konkurrentin Daniela Anschütz, die am Vortag das 3000-Meter-Rennen gewonnen hatte, zu dem Pechstein nicht angetreten war, ließ sie hinter sich. Pechstein gewann in 1:59,76 Minuten vor Anschütz (2:00,88) und Katrin Kalex (2:01,69). Sabine Völker und Anni Friesinger waren nicht dabei; beide sind angeschlagen. Die Kanadierin Cindy Klassen hatte zuvor in Calgary ihren eigenen Weltrekord über 1500 Meter verbessert: 1:53,77 Minuten.

Pechstein sagte: „Ich denke doch, dass ich mich mit dem Titel in das Team gelaufen habe. Alles andere würde mich wundern.“ So viel zum Nahziel. Das Fernziel, dem sie aber in dieser Saison alles unterordnet, heißt Olympische Spiele: „Das ist nur alle vier Jahre und das Größte.“ Eine Goldmedaille möchte Pechstein gewinnen, „einmal noch“. Es wäre ihre fünfte, und es ist der 3000-Meter-Wettbewerb, auf den sie sich dabei zunächst konzentriert, eine ihrer bevorzugten Strecken. Sie sei gesund geblieben in diesem Sommer, sagte sie, sie habe gut trainiert, doch sonst sei alles wie immer gewesen in der Vorbereitung. „Ich bin vier Jahre älter als vor vier Jahren. Das ist alles. Also kann ich auch erfolgreich sein.“ Ihre Chancen auf Edelmetall scheinen nach dem guten Saisonstart auf der langsamen Berliner Bahn, über die nicht nur die unterlegenen Athleten nach ihren Rennen klagten, realistisch. Doch Druck will sich Claudia Pechstein nicht machen lassen. Sie hat einen Lieblingssatz, den sie drei Mal in zehn Minuten sagt. Er lautet: „Die Konkurrenz schläft nicht.“

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