Sport : Meistertitel als Hypothek

Die Eisbären finden aus ihrer Krise nicht heraus

Claus Vetter

Berlin - Eishockey ist nicht nur die schnellste Mannschaftssportart der Welt, sondern auch ein schnelllebiger Sport. Erfolge von gestern werden zur Hypothek, wenn es mal nicht so läuft. Diese Erfahrung muss Pierre Pagé zurzeit machen. Die Kritik am Berliner Trainer ist groß – fünf Play-off-Teilnahmen und zwei Meistertiteln in Folge zum Trotz. Denn schnell könnte für seine Eisbären die Saison zu Ende sein, nach dem 3:4 nach Penaltyschießen am Freitag gegen die Hamburg Freezers haben die Berliner bei sieben Punkten Rückstand und nur noch sieben Punktspielen die direkte Qualifikation für die Play-offs so gut wie verpasst.

Ist der Trainer Schuld an der Situation? Pierre Pagé hat einmal gesagt, dass sich Methoden eines Übungsleiters nach rund zwei Jahren verbrauchen. Über diese Zeitspanne wäre der Kanadier nach fünf Jahren locker hinaus. Dass Pagés Ansprachen an die Mannschaft momentan nicht zu fruchten scheinen, liegt wohl auch daran, dass der Trainer seine Souveränität nicht so recht finden will. Pagé weiß das. Noch immer zögert er bei der Unterzeichnung eines neuen Vertrages in Berlin: Die Eisbären wollen sich nicht von ihrem Trainer trennen, der Trainer will sich aber vielleicht von den Eisbären trennen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagt Pagé. „Abwarten und schauen“, werde er. „Mir ist zurzeit der Rest der Saison wichtiger als Spekulationen über meine Zukunft.“

Liegt die momentane Misere an der Mannschaft? Zum einen Teil sicher. Viele etablierte Spieler laufen ihrer Bestform hinterher. Dazu kommen eine wacklige Abwehr und zwei solide Torhüter: Daniar Dshunussow und Youri Ziffzer liegen in der DEL-Statistik von ihren Werten vor einem Boris Rousson – trotzdem war der erfahrene Kanadier am Freitag der Matchwinner für die Freezers, weil er sich im Gegensatz zum erst 20 Jahre alten Ziffzer keinen Fehler leistete.

Ihre größten Fehler haben sich die Eisbären in dieser Saison bei ihren Verpflichtungen geleistet. Von den in der Saison geholten Profis konnte nur Denis Pederson dem Team Impulse geben. Die Verteidiger Kyle Wharton und Jeff Jillson sind in der Deutschen Eishockey-Liga überfordert und Ian Moran braucht noch Zeit: Klar wurde im Spiel gegen Hamburg bei nur einem Ausflug Morans ins Drittel des Gegners, dass der US-Amerikaner ein sehr defensiver Spieler ist, also keiner, der sein Team vorantreibt. Aber einen Antreiber hätten die Eisbären gebraucht.

Ab dem 13. Februar kämpft der Meister in sieben Spielen um die letzte Chance, die Saison über den März auszudehnen. Über die Qualifikationsrunde – die Plätze 7 bis 10 spielen noch zwei Play-off-Teilnehmer aus – können die Berliner die Endrunde noch erreichen. Immerhin sollen der genesene Florian Busch und Richard Mueller, der seit Monaten auf seine Einbürgerung wartet, dabei helfen. Es könnten zwei wertvolle Spieler für die Berliner sein, und einen dritten will Manager Peter John Lee in der Pause noch verpflichten. Vielleicht geht dann ja noch etwas bei den Eisbären – auf die Schnelle sozusagen. Wie das im Eishockey üblich ist.

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