Sport : Melodien in der Tiefe des Raums

Ein Turnier auch für die Kultur: Bei der WM kommen auch Musik, Theater und Literatur zu ihrem Recht

Sebastian Leber

König Fußball ist gnädig: Er kommt auch denen zugute, die sonst eher wenig fürs Kicken übrig haben. „Theater, Literatur und klassische Musik werden von der WM enorm profitieren“, sagt Volker Bartsch, Geschäftsführer der DFB-Kulturstiftung. Mit insgesamt 30 Millionen Euro fördert seine Stiftung im Rahmen der Weltmeisterschaft verschiedene Kulturprojekte, allein 20 in Berlin. Zum Beispiel die Ausstellung „Tor!“, die sich im Filmmuseum am Potsdamer Platz mit „Fußball und Fernsehen“ beschäftigen wird. Oder die Komische Oper, deren Ensemble kurz vor dem WM-Finale das Fußballoratorium „Die Tiefe des Raumes“ präsentiert – inklusive „Trillerpfeifen-Fugen“ und dem berühmten Trappatoni-Monol+og.

Für den 2. Juli – dem letzten spielfreien Sonntag vor dem Finale – ist ein kostenloses Konzert des Deutschen Symphonieorchesters geplant, das brasilianische, französische und afrikanische Klänge miteinander vermischen soll. Der Ort steht noch nicht fest. Und die Berliner Philharmoniker, immerhin offizielle WM-Botschafter, feiern ihren Saisonabschluss am 18. Juni mit einem Konzert in der Waldbühne. Noch besinnlicher geht es im Berliner Dom zu: Dort können Fußball-Fans bei einem halbstündigen Konzert der „Kleinen Orgelmusik“ jeden Tag ab 14 Uhr „die Seele baumeln lassen und ausruhen“. Außerdem gibt es täglich eine kurze Mittagsandacht, die sich inhaltlich mit den Gemeinsamkeiten zwischen Fußball und Glauben beschäftigt. Zum Beispiel unter dem Motto „Menschen im Abseits – falsch gestartet“ oder „Ich wünsche mir Fair Play – weniger Verletzungsgefahr“.

Richtig laut wird es dagegen im Treptower Park. Dort planen die Veranstalter der Konzerthalle Arena ein tägliches kostenloses Open-Air-Festival namens „Popkick“: Zwischen Fußball-Übertragungen auf Großleinwänden sollen international bekannte Rock- und Popbands aus den Ländern auftreten, deren Mannschaften am jeweiligen Tag spielen. Beim Eröffnungskonzert am 9. Juni wird eine „sehr prominente Band aus Berlin spielen, zu der locker 20 000 Menschen in den Treptower Park kommen“, verspricht Mitveranstalter Björn Döring. Den Namen der Gruppe möchte er nicht verraten, weil die Verhandlungen noch laufen. An anderen Tagen könnten möglicherweise weniger als 20 000 Besucher in den Treptower Park kommen: „Wenn Togo gegen Trinidad und Tobago spielt, erreichen wir vielleicht keine Spitzenwerte.“ Angefragt sind unter anderem The Hives aus Schweden, Manu Chao aus Frankreich und Franz Ferdinand, die zwar eigentlich Schotten sind, aber für England antreten sollen. „Das ist zumindest die Größenordnung, mit der wir planen“, sagt Döring.

Ein ähnliches Konzept wie bei „Popkick“ verfolgen die Veranstalter des Musikfestivals „Heimatklänge“ im Kulturforum in der Potsdamer Straße. Auch hier treten zwischen den TV-Übertragungen Künstler aus den jeweils spielenden Ländern auf, allerdings soll der Schwerpunkt dabei nicht auf west-europäischer Musik liegen. „Wenn zum Beispiel Frankreich antritt, gibt es bei uns wahrscheinlich keine klassischen Chansons zu hören, sondern eher Musik von den französischen Antillen.“

Ein Höhepunkt des Kulturprogramms zur WM findet bereits am 31. Mai, neun Tage vor dem Eröffnungsspiel, statt: Dann hat das Musiktheaterprojekt „Soccersongs“ auf dem Bebelplatz Premiere. Das widmet sich unter der Regie des US- Amerikaners Robert Wilson „dem Phänomen Sport und seinen weitläufigen gesellschaftlichen Verknüpfungen“. Die 4000 Karten für den Bebelplatz dürften schnell ausverkauft sein, schließlich steuert die Musik kein geringerer bei als Herbert Grönemeyer. Trotzdem müssen Fans nicht sofort zum Vorverkaufsschalter eilen: Das Stück soll im Laufe der folgenden Wochen mindestens vier Mal aufgeführt werden.

Einen Überblick über das Berliner Kulturprogramm während der WM gibt es im Internet unter www.btm.de, www.dfb-kulturstiftung.de und www.libero-berlin.net

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