Sport : Mensch, Fußball

Herbert Grönemeyer und Michael Schumacher losen spannende Qualifikationsgruppen für die Fußball-WM 2006 aus

André Görke

Frankfurt (Main). Eine Entscheidung stand schon vorher fest. „Ohne Roland fahr’n wir zur WM“, riefen 200 demonstrierende Studenten vor dem Eingang der Festhalle in Frankfurt am Main. Doch der hessische Ministerpräsident Roland Koch und die anderen Ehrengäste ließen sich davon am Freitagabend nicht beirren. Schließlich muss sich kein deutscher Fußballprofi für die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land qualifizieren, und ein Politiker für seinen Platz auf der Ehrentribüne schon gar nicht.

Mit einer großen Gala und 3500 Gästen, darunter Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, und Millionen von Fernsehzuschauern in mehr als 100 Ländern feierte sich der internationale Fußball selbst – 917 Tage vor dem Beginn des Turniers. Die Gäste bejubelten Stars wie den Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher und den Sänger des Hits „Mensch“, Herbert Grönemeyer, die Lose zur Qualifikation zogen. „Fußball ist für mich Entspannung“, bekannte Schumacher auf der Bühne. Doch seine Auslosung löste vor allem Anspannung aus – denn die gezogenen Gruppen versprechen schwere Spiele für die großen Fußballnationen. „Die erste Gruppe ist die schwerste“, kommentierte Bundestrainer Rudi Völler das Ergebnis. Dort treffen unter anderem die Niederlande und Tschechien aufeinander, die sich gerade in der EM-Qualifikation spannende Duelle geliefert hatten und die auch bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal aufeinandertreffen.

Auch für die deutschen Trainer, die Nationalmannschaften anderer Länder betreuen, wird es schwer. Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts trifft mit seinen Schotten unter anderem auf das Team von Italien und dessen Trainer Giovanni Trapattoni. „Italien ist der hohe Favorit“, sagte Vogts. „Aber wir haben eine große Chance, als Zweiter nach Deutschland zu kommen.“ Auch Otto Rehhagel erwischte ein schweres Los. Mit Griechenland trifft er unter anderem auf den Nachbarn Türkei sowie Dänemark und die Ukraine. „Es ist für uns nicht einfach, aber machbar“, sagte Rehhagel. Nach der Gala fuhr er weiter nach Bremen, wo er sich heute im Weserstadion das Spiel seines ehemaligen Vereins gegen Bayern München anschauen will.

Nur die acht Gruppensieger und die zwei besten Zweiten haben in den Europagruppen ein WM-Ticket sicher. Auf anderen Kontinenten gibt es neben der Qualifikation teilweise noch zusätzliche Ausscheidungsspiele (siehe Kasten). Der deutsche Trainer Winfried Schäfer steht dabei mit Afrika-Meister Kamerun vor einer schweren Aufgabe gegen Ägypten, die Elfenbeinküste, Libyen, Sudan und Benin. „Das ist eine starke Gruppe. Aber das größere Problem für uns ist, die Reisen zu den Gegnern zu organisieren“, meinte Schäfer. Die irakische Nationalmannschaft, betreut vom deutschen Trainer Bernd Stange, trifft in Asien auf Usbekistan, Palästina und Taiwan.

Angesichts der langen Gala mit 157 Loskugeln verließen viele Ehrengäste nach dem Zeremoniell schnell die Festhalle. Fußballstar Pele flog sofort zurück nach Brasilien, Michael Schumacher fuhr zum nächsten Termin. Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch verließ zügig den Saal, an dessen Ausgang es noch Lebkuchenherzen mit dem WM-Logo gab. Glück für Koch: Die protestierenden Studenten waren bereits weg.

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