Sport : Mensch geworden

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Daniel Pontzen über die

schwindende Strahlkraft Oliver Kahns

„Oliver Kahn ist auch nur ein Mensch“, verkündete Ottmar Hitzfeld nach dem Spiel gegen Real Madrid, das ein so trauriges Ende genommen hatte aus fc-bayerischer Sicht.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war Kahn kein Mensch, sondern Titan, Heilsbringer, Superstar. Seit einem Jahrzehnt gilt er als bester deutscher Torwart. Spätestens seit dem Champions-League-Triumph der Bayern 2001, den Kahn durch seine Elfmeterparaden im Endspiel sicherte, hat er im deutschen Fußball einen Rang inne wie Fritz Walter, Franz Beckenbauer, vielleicht Uwe Seeler und Lothar Matthäus. In dieser Riege sieht sich Kahn würdig eingeordnet, was man etwa dann hört, wenn er von sich in der dritten Person spricht. Mit Worten wie „jemand, der so viel geleistet hat“ oder „jemand, der so viel erlebt hat“ beginnt er manchmal seine Sätze, und in den vergangenen Jahren hat er sich durch die Überhöhung seiner Person und regelmäßige Kritik an seinen Mitspielern in der Mannschaft nicht nur Freunde gemacht.

Dazu ist Kahns Leistungskurve schlicht nicht mehr konstant genug. Die Fehler mehren sich. Beim Pokal-Aus in Aachen verschuldete er das 0:1, beim Testspiel der Nationalmannschaft vergangene Woche in Kroatien patzte er ebenfalls, nun gegen Madrid. Es war das erste Spiel, das annähernd so prestigereich war wie das WM-Finale in Yokohama. Kahn selbst sieht solche Spiele als angemessene Bühne für sich. Es muss verheerend für ihn sein, dass ihm die Nerven schon wieder einen Streich spielten.

Oliver Kahn ist zweifellos nach wie vor einer der besten Torhüter Deutschlands, vielleicht darüber hinaus. Die Aura des Unantastbaren aber hat er verloren.

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