Sport : Mensch, Meyer!

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Armin Lehmann über den neuen Fachmann im Deutschen SportFernsehen

Im Fernsehen ist viel versucht worden, um Fußball attraktiv zu verkaufen. Eine Menge Gesichter stehen für diese Versuche, die manchmal gelingen und oft schief gehen. Im Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) zum Beispiel symbolisierten bisher Udo Lattek und Paul Breitner eine Art „Ballermann“ im TV. Sie hauen dumpfe Sprüche raus, das Volk freut sich. Und das ist in Ordnung so.

Künftig soll im DSF aber auch ein bisschen „Toskana“ her, ein bisschen mehr Stil. Deshalb haben die Fernsehmacher für die neue Bundesliga-Sendung am Sonntag Hans Meyer verpflichtet, der zuletzt Trainer bei Mönchengladbach war und nun im Ruhestand ist. Um das mit dem „Ballermann“ und der „Toskana“ besser zu verstehen, kann man beide auch zitieren: Udo Lattek sagt Sätze wie: „Sie spielen taktisch gut, obwohl sie ohne Taktik spielen.“ Oder: „Sie können ruhig etwas lauter nicken.“ Hans Meyer sagt andere Sätze, zum Beispiel nach einer seiner Vertragsverlängerungen: „Wir mussten das Training abbrechen, weil einige Spieler vor Freude in Tränen ausgebrochen sind.“

Meyer versteht nicht nur die große Kunst der kleinen Anspielung, er versteht auch was vom Fußball und kann ihn obendrein lustig erklären. Das wird dem DSF ein neues Publikum erschließen. Auf Meyers Mut, die eigene Eitelkeit mit beißender Selbstironie auszugleichen, darf man sich zudem freuen. Eine Kostprobe: „Nach einem Spieltag werde ich mich hüten, meinen Kopf so weit aus dem Fenster zu halten. Doch wenn Sie schreiben, Hans Meyer hat ganz allein gewonnen, dann haben sie natürlich Recht.“

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