Sport : Mentale Ressourcen

Arsenal schlägt nach dem Aus in der Champions League Liverpool

Raphael Honigstein

London. Fall und Wiederauferstehung liegen im Fußball nahe beisammen, besonders an Ostern, wenn einen der wahnwitzige Spielplan in England in neun Tagen durch vier Spiele hetzt. Nach dem bitteren Aus von Arsenal in FA-Pokal und Champions League hatten nicht wenige Experten am Freitag mit einer neuerlichen Pleite gerechnet, doch Arsenal bleibt mit dem 4:2-Sieg gegen den FC Liverpool ungeschlagen an der Tabellenspitze – und der designierte Meister.

In einer begeisternden Partie waren die Gäste durch einen Kopfball von Sami Hyypiä früh in Führung gegangen (5.). Arsenal brauchte, vom Gegentreffer verunsichert, eine knappe halbe Stunde, um den Glauben an die eigene Genialität zurückzuerlangen; nach dem ersten vernünftigen Angriff scheiterte Freddy Ljungberg aus spitzem Winkel an Jerzy Dudek (26.). Michael Owen lupfte den Ball im Gegenzug über Jens Lehmann und den Kasten, doch als Liverpool noch ein nicht geahndetes Foul an Dietmar Hamann reklamierte, schickte Robert Pirès den überragenden Thierry Henry mit einem feinen Pass in den Strafraum, und der Franzose schob das Leder durch Dudeks Beine ins Tor (31.) Arsenal kontrollierte jetzt das Geschehen, aber Gérard Houlliers Mannschaft schlug überraschend zurück: Owen verwertete Steven Gerrards präzisen Steilpass (42.).

Was immer Arsène Wenger seinen Männern in der Halbzeit gesagt haben mag, es wirkte. Pirès schloss einen wunderbaren Spielzug mit dem Ausgleich ab (49.), nur eine Minute später brachte Henry sein Team mit einer sagenhaften Einzelaktion erstmals in Führung. Der Franzose nahm den Ball kurz hinter der Mittellinie auf, ließ drei Spieler ins Leere grätschen und auch Dudek keine Chance. Liverpool erholte sich von diesem Doppelschlag nicht mehr. Arsenal ergötzte sich am eigenen Direktspiel, die Selbstzweifel waren vergessen.

Der vierte Treffer fiel zwangsläufig, Henrys Hattrick nach Bergkamps Vorlage (78.) – sein 37. Tor in der Saison – krönte eine großartige Partie des Stürmers und eine selbst für Wenger „überraschend starke“ Mannschaftsleistung „Er ist der beste Stürmer der Welt“, sagte Houllier, dessen Liverpool nach der Niederlage weiter um die Champions-League-Qualifikation bangen muss. Wenger konnte dagegen sein „außerordentliches Team“ loben, das „mit dem Rücken zur Wand“ Mannschaftsgeist und „mentale Ressourcen“ gezeigt habe. Vor Chelseas Match am heutigen Samstag gegen Middlesbrough steht man mit sieben Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze.

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