Mercedes : Michael Schumachers junger Kollege winkt

Mercedes will seine Formel-1-Autos besser auf Michael Schumacher abstimmen, doch Nico Rosberg lässt sich davon nicht beeindrucken - und könnte dennoch schneller bleiben.

Karin Sturm[Schanghai]
Mitten im Reich der Mitte. Michael Schumacher wird vor dem Großen Preis von China am Sonntag von Autogrammjägern umringt. Foto: dpa
Mitten im Reich der Mitte. Michael Schumacher wird vor dem Großen Preis von China am Sonntag von Autogrammjägern umringt.Foto: dpa

Bisher setzte es in drei Rennen drei Niederlagen gegen seinen Teamkollegen Nico Rosberg. Und in der WM-Wertung liegt er mit neun Punkten nur auf Platz zehn – satte 30 Punkte hinter dem Führenden Felipe Massa. Michael Schumacher aber bleibt trotzdem gelassen: Er sei mit seinem Comeback in der Formel 1 durchaus zufrieden – und er könne seinem Rivalen Fernando Alonso nur zustimmen, wenn der ihn weiterhin für einen ernsthaften WM-Kandidaten schon im Jahre 2010 halte. „Wenn man sich das Punktesystem ansieht und dann bedenkt, dass beispielsweise Fernando in Malaysia einen Ausfall hatte, dann sieht man, wie schnell so etwas jedem von uns passieren kann“, sagt Schumacher. „Ich hatte meinen Ausfall in Malaysia und irgendwann in dieser Saison wird es auch die anderen Titelanwärter treffen.“

Um Schwächen anderer Fahrer ausnützen zu können, müsste Mercedes das Auto von Schumacher allerdings rasch verbessern, schon an diesem Sonntag steht der Große Preis von China an. Mercedes-Sportchef Norbert Haug hatte ja bereits vor einigen Tagen betont, dass Schumacher in diesem Jahr Rennen gewinnen werde, wenn man ihm das passende Auto zur Verfügung stellen könne. Auch Schumacher sieht die größten Schwächen im Fahrzeug: „Ich liege genau in meinem Fahrplan, das Auto noch nicht.“ Allerdings sind erst drei von neunzehn Rennen in dieser Saison absolviert. Mercedes habe noch genügend Zeit, um an den Fahrzeugen nachzubessern. „Die Saison ist für Nico und mich noch nicht vorbei“, sagt Michael Schumacher.

Nico Rosbergs Ergebnisse im Vergleich zu denen von Schumacher – das ist das zweite Thema, dem sich der siebenmalige Weltmeister stellen muss. Im Verlauf seiner Karriere vor dem Comeback hatte Schumacher nur selten Niederlagen gegen Teamkollegen einstecken müssen – Statistiker kommen auf elf in 250 Rennen, drei gegen Eddie Irvine, acht gegen Rubens Barrichello, alle bei Ferrari. Nun aber gab es gegen Rosberg gleich drei Niederlagen hintereinander, jeweils zuerst im Qualifying und dann auch im Rennen. Hier sehen Schumachers Kritiker einen Ansatzpunkt – seine dreijährige Pause hin oder her.

Rosberg lässt lieber Taten und Fakten sprechen

Rosberg zieht aus den bisherigen Ergebnissen natürlich viel Selbstvertrauen – auch wenn er sich mit Aussagen zu dem Thema weiter zurückhält, er lässt lieber Taten und Fakten sprechen. „Ich selbst vergleiche mich gar nicht so extrem mit Michael“, sagt er, „außerdem ist es ja wirklich noch sehr früh in der Saison.“ Rosberg sei einfach „für mich selbst happy, wie es bisher gelaufen ist. Ich bin drei sehr gute Rennen gefahren, habe wichtige Punkte gesammelt, bin nahe an der WM-Spitze dran.“ Worte wie Genugtuung oder ähnliches lässt er sich der 25-Jährige der Beurteilung des bisher Erreichten erst gar nicht in den Mund legen. „Ich bin zufrieden mit meiner Leistung, der Vergleich mit Michael ist gar nicht so das Thema. Im Übrigen ist Michael weiterhin sehr stark unterwegs. Mein Ziel ist es, weiterhin auf Augenhöhe mit ihm zu bleiben“, sagt Rosberg. Sein Ansehen im Fahrerlager ist in den vergangenen Wochen natürlich deutlich gestiegen. Dass er den zurückgekehrten Champion so deutlich dominieren würde, das hatten nicht viele erwartet.

Schumacher wiederholt derweil immer und immer wieder, dass er mit seinen Ergebnissen nicht unzufrieden sei. „Ich bin noch immer sehr glücklich. Ob das anderen Leuten gefällt oder nicht, ist deren Sache.“ Und sein Sportchef Haug ist sich hundertprozentig sicher, „dass das wirklich ganz genau das ist, was Michael empfindet. Er ist kein Schauspieler – er ruht einfach in sich selbst.“

Als neutraler Beobachter vermutet Virgin-Pilot Timo Glock, dass Schumacher noch stärker wird. „Ich glaube, man muss dem Ganzen noch etwas Zeit geben. Nico macht einen fehlerfreien Job, aber Michael steigert sich von Wochenende zu Wochenende.“ Mit einigen Verbesserungen am Auto könne Schumacher noch viel erreichen. „Wenn das Auto nicht hundertprozentig auf einen abgestimmt ist, dann fehlen ein bis zwei Zehntel“, sagt Glock. Ein Hinweis vor allem darauf, dass die derzeitige Generation der tendenziell untersteuernden Autos Schumacher nicht gerade entgegen kommt. Allerdings betont auch Rosberg, diese spezielle Charakteristik nicht zu mögen. So unterschiedlich wie oft behauptet, seien Schumachers und sein Fahrstil nämlich gar nicht, sagt Rosberg. Indirekt sagt Rosberg damit auch: Selbst wenn es Mercedes schafft, die Autos in Schumachers Interesse zu verändern, würde das Schumacher teamintern nicht unbedingt in eine bessere Position bringen – genauso wenig, wie es einzig und allein am Auto liegt, dass Rosberg schneller ist als der Rekordweltmeister.

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