• Mercedes-Sportchef Toto Wolff im Interview: „Wir suchen keine Alternative zu Lewis Hamilton“

Mercedes-Sportchef Toto Wolff im Interview : „Wir suchen keine Alternative zu Lewis Hamilton“

Sein Team ist derzeit das Maß der Dinge der Formel 1 - und hat dennoch ein Problem: Mercedes-Sportchef Toto Wolff über die Zukunft von Lewis Hamilton, Konkurrenz - und Kooperation mit Ferrari.

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Torger Christian „Toto“ Wolff, 43, hier zwischen seinen Fahrern Lewis Hamilton, links, und Nico Rosberg, ist seit Januar 2013 Motorsportchef bei Mercedes. Er führte das Team im vergangenen Jahr zu den Formel-1-WM-Titeln bei den Fahrern und Konstrukteuren. Foto: Imago/Perenyi
Torger Christian „Toto“ Wolff, 43, hier zwischen seinen Fahrern Lewis Hamilton, links, und Nico Rosberg, ist seit Januar 2013...Foto: imago/Laci Perenyi

Herr Wolff, Ihr derzeit größtes Problem hätten andere Teams gern. Die Vertragsverlängerung mit Weltmeister Lewis Hamilton zieht sich hin. Welche Alternative hat Mercedes, falls er den Vertrag ablehnt?

Über Alternativen brauchen wir nicht nachdenken, weil alles sehr gut auf dem Weg ist. Wir haben ein schnelles Auto, das meisterschaftsfähig ist. Das weiß Lewis, und wir schätzen ihn. Deswegen gibt es für mich keine Anzeichen, um sich nach Alternativen umzusehen.

In der Tat sieht es so aus, als sei Ihr Auto auch nach der großen Erneuerungswelle vor dem Großen Preis von Spanien das Maß der Dinge in der Formel 1. Mercedes hat das Freie Training am Freitag dominiert. Sind Sie zufrieden mit den Updates am Wagen?

Heute ist Freitag, Punkte bekommen wir am Sonntag. Wir erzielen gute Fortschritte in unserer Leistung. Wir sind hungrig nach Erfolg und halten das Entwicklungstempo hoch.

Ihr einziger echter Konkurrent ist Ferrari. Das ist immer noch überraschend, weil das Team im Vorjahr hinterherfuhr. Wie oft haben Sie es erlebt, dass ein Rennstall bei einem quasi eingefrorenen Reglement über den Winter mehr als eine Sekunde findet?

Das ist nicht Usus. Die großen Sprünge passieren bei Regeländerungen und durch Entwicklungen, die andere übersehen haben. Ein gutes Beispiel ist der Doppeldiffusor am Brawn 2009. Die einzige für mich rationale Erklärung ist, dass sie 2014 sehr früh abgeschrieben haben – da waren die Leistungen wirklich schlecht – und die aerodynamische Entwicklung auf 2015 verlegt haben. Außerdem konnten sie den Motor verändern, das ging wegen des Reglements während der Saison nicht. All das in ein Paket verschnürt, mit Sebastian Vettel, mit neuer Motivation für die Mannschaft, das macht den Unterschied.

Und so wird man eine Sekunde schneller?

Am Chassis kannst du nicht viel finden, das Aerodynamik-Reglement ist stabil. Das große Thema ist der Motor.

Mercedes hat nach gängiger Meinung das beste Motorenkonzept. Doch laut Ihrem Aufsichtsratschef Niki Lauda hat Ferrari um die 45 PS gefunden. Normal sind in der Formel 1 PS-Steigerungen um 15 bis 25 PS. So viel Zusatzkraft ist eigentlich nur mit einer Konzeptänderung möglich, nicht mit einem verlegten Auspuffrohr.

Das ist schon ein gewaltiger Sprung. Aber ich würde mich nicht dazu hinreißen, das anzuzweifeln. Sie haben einfach einen sehr guten Job gemacht.

Red Bulls Motorsportkoordinator Helmut Marko ist überzeugt davon, dass Mercedes Ferrari dabei geholfen hat, das Antriebskonzept zu verbessern. Stimmt das?

Es ist per Reglement verboten. Würde irgendjemand, der einen Funken Gehirn hat, einem Konkurrenten, der alle Ressourcen hat, helfen, nur um politisch Stabilität zu haben? Gegen das Reglement verstoßen und einen Konkurrenten stärken, der dir die WM abspenstig machen könnte? Das ist zu weit hergeholt.

Marko sagt, Ferrari habe auf Empfehlung von Mercedes den früheren AMG-Cheftechniker Wolf Zimmermann verpflichtet, ein Experte der Hybridtechnologie.

Wolf Zimmermanns letzter Job war es, bei Lotus Straßenmotoren zu bauen. Er hat früher bei Ferrari gearbeitet und ist dahin zurückgekehrt. Er hatte nichts zu tun mit unserer Motorenentwicklung, das ist eine ganz andere Baustelle.

Im Fahrerlager geht das Gerücht um, Bernie Ecclestone persönlich habe seinem Liebling Ferrari ein wenig auf die Sprünge geholfen.

Bernie Ecclestone ist mit Sicherheit an einem starken Ferrari etwas gelegen. Für ihn ist es wichtig, dass es vorn an der Spitze einen Kampf gibt. Ein zu überlegenes Team hilft ihm aus Promotiongründen nicht. Er hat den größten Einfluss hier im Fahrerlager. Aber um jemandem auf die Sprünge zu helfen, müsstest du ihm technisch helfen. Und da sehe ich den Kaufmann Bernie nicht.

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