• Mercedes-Stallduell in der Formel 1: Nico Rosberg und Lewis Hamilton: Freundschaft auf Zeit

Mercedes-Stallduell in der Formel 1 : Nico Rosberg und Lewis Hamilton: Freundschaft auf Zeit

Nach außen betont Mercedes das gute Verhältnis seiner Fahrer – doch vor dem Großen Preis von Kanada am Wochenende in Montreal rumort es intern weiter.

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Teamkollegen und doch Konkurrenten. Nico Rosberg (r.) und Lewis Hamilton.
Teamkollegen und doch Konkurrenten. Nico Rosberg (r.) und Lewis Hamilton.Foto: dpa

Erst kamen von allen Seiten über Twitter die großen Versöhnungsbekundungen. Das gemeinsame Teamdinner in Montreal vor dem eigentlichen Beginn des Formel-1-Rennwochenendes in Kanada sollte der endgültige Schlusspunkt im teaminternen Streit zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg bei Mercedes sein. So fühlte man sich bei den Silbernen dann auch verpflichtet, gleich erneut per Twitter aller Welt mitzuteilen: „Ja, beide waren bei dem Abendessen anwesend.“

Die Fahrer versuchen derweil vor der Qualifikation am Samstag (19 Uhr, live bei RTL und Sky) selbst brav, das ganze Thema herunter zu spielen. „Ich muss immer einen Kompromiss finden. Ihr blast das Thema immer dermaßen auf. Ich kann mir vorstellen, dass ihr lieber von einem Krieg schreiben wollt. Da muss ich nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen“, sagte Nico Rosberg und wirkte dabei ziemlich genervt.

Die zuletzt immer wieder gezogenen Vergleiche mit dem legendären Stallduell zwischen Ayrton Senna und Alain Prost bei McLaren Ende der Achtziger Jahre, das damals stark von gezielten Psychospielchen und persönlichen Verletzungen geprägt war, möchte Rosberg auf jeden Fall relativieren. „Ich habe davon gehört, und auf eine gewisse Art und Weise fühle ich mich durch diese Vergleiche geehrt, denn dieser Zweikampf lief auf extrem hohen Niveau ab. Aber dabei belasse ich es.“

"Das Verhältnis war nie besser!"

Vor einer Woche hatte Hamilton auf Twitter die Versöhnung verkündet: „weiterhin Freunde #keinProblem“. Weiter will er sich nicht äußern: „In der Message habe ich ja schon alles gesagt. Die Angelegenheit ist abgeschlossen. Jetzt wollen wir zusammen dabei helfen, dass das Team den Konstrukteurspokal gewinnt.“ Das einzige, was er noch preisgibt: Nach dem Gespräch der beiden Piloten habe es individuelle Telefongespräche mit der Teamführung gegeben und nun am Mittwoch in Montreal das gemeinsamen Abendessen. Und jetzt? „Das Verhältnis war nie besser!“

Das glaubt nur kaum jemand wirklich – denn die Aussage von Hamilton aus Monte Carlo entspricht nun mal viel mehr der Realität in der Formel 1. Da hatte der der Weltmeister von 2008 noch deutlich erklärt, dass zwei Teamkollegen im Kampf um den Titel niemals richtige Freunde sein können. Rosberg formuliert sowieso etwas vorsichtiger: „Wir gehen respektvoll miteinander um und haben ein neutrales Verhältnis.“

Hamilton hat in Kanada schon dreimal gewonnen

Alle Experten im Fahrerlager warten jedenfalls nur darauf, wie lange dieses Schauspiel funktioniert – sprich, wann es zum nächsten Mal richtig kracht. Schon in Kanada steht für beide erneut sehr viel auf dem Spiel. Hamilton, der auf dem „Circuit Gilles Villeneuve“ im Laufe seiner Karriere schon dreimal gewonnen hat, muss seine Ankündigung aus Monte Carlo wahrmachen und zurückschlagen – wenn er nicht Gefahr laufen will, selbst wieder ins Hintertreffen zu geraten. Rosberg, dessen Kanada-Bilanz mit einem fünften Platz als bestem Ergebnis bisher nicht gerade berauschend ausfällt, sieht sich allerdings nicht auf verlorenem Posten. „Für mich ist er nicht der Favorit. Ich bin hier, um zu gewinnen.“

Dass die derzeitig propagierte Freundschaft nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm sein könnte, ist auch nach Ansicht von Marc Surer nicht unwahrscheinlich. Der frühere Schweizer Grand-Prix-Pilot und heutige Fernsehexperte sieht eher einen „Frieden auf Zeit“. Surer mag auch aus der gemeinsamen Kartvergangenheit nicht automatisch eine Freundschaft ableiten. „Ich denke, sie sind eher gute Kameraden.“

Für Sebastian Vettel ist eventueller neuer Ärger bei seiner Konkurrenz kein Thema, mit dem er sich beschäftigt. Er glaubt auch nicht daran, dass ihm das wirklich helfen könnte. „Sicher, wenn sie sich gegenseitig abschießen, wäre das gut für uns, weil sie sich selbst Punkte wegnehmen. Ich habe nichts dagegen, wenn es passiert, aber ich halte sie für klug genug, das nicht zu tun.“

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