Sport : Metallica war besser

Der Auftakt der Tour de Ski in München gerät durchwachsen – aus deutscher Sicht und überhaupt

Benedikt Voigt[München]

Der Langläufer Axel Teichmann muss nicht lange nachdenken. Welcher seiner drei Besuche im Münchner Olympiastadion ihm am besten gefallen habe, lautet die Frage. Axel Teichmann steht auf der von 30 Zentimetern künstlichem Schnee bedeckten Laufbahn, gerade ist er auf Langlaufski 1200 Meter über eine künstliche Brücke durch den Innenraum der altehrwürdigen Arena gesprintet. Früher hat er an gleicher Stelle einen 2:1-Sieg des FC Bayern München über Real Madrid und ein Konzert der Heavy-Metal-Band Metallica erlebt. Welches Ereignis wird ihm nun besonders in Erinnerung bleiben? Axel Teichmann sagt: „Metallica.“

Für die deutschen Langläufer hat der Auftakt der Tour de Ski im Münchner Olympiastadion keine guten Ergebnisse gebracht. Nur Claudia Künzel mit Rang acht und Evi Sachenbacher-Stehle mit Rang elf sind den Erwartungen gerecht geworden. „Mit den Frauen bin ich zufrieden“, sagt Bundestrainer Jochen Behle, „bei den anderen war mehr möglich.“ Bei den Frauen siegte die zweimalige Weltcupsiegerin Marit Björgen aus Norwegen, bei den Männern gewann überraschend der Schweizer Sprintspezialist Christoph Eigenmann. Als bester Deutscher spurtete der nachnominierte Johannes Bredl auf Rang 21. Für Rene Sommerfeldt (34.), Franz Göring (37.), Axel Teichmann (40.) und Tobias Angerer (41.) war der Auftritt im Olympiastadion bereits nach rund 80 Sekunden beendet. Sie konnten sich nicht für die Viertelfinals der besten 32 qualifizieren.

„Die Strecke war zu kurz“, sagt Tobias Angerer. In der Qualifikation betrug sie lediglich 800 Meter, was den Sprintspezialisten entgegenkam. „Eine zweite Runde wäre gut gewesen, aber man muss das akzeptieren“, sagt Angerer. Er rechnet sich trotzdem noch gute Chancen in der Tour de Ski aus, die aus sechs Rennen besteht. „Die Tour de France ist auch noch nie durch den Prolog entschieden worden“, sagt er. Bereits heute in Oberstdorf (12 Uhr, live im ZDF) dürfte das Feld kräftig durcheinandergemischt werden. Beim Verfolgungsrennen der Frauen (2 x 5 Kilometer) und der Männer (2 x 10 Kilometer) werden es diesmal die Sprintspezialisten schwer haben. Acht Mal müssen sie sich den schweren Anstieg zum Burgstall hinaufkämpfen, wer sich überrunden lässt, scheidet aus der Tour de Ski aus. So sagt der Münchner Überraschungssieger Eigenmann: „Ich will nur ins Ziel kommen.“ Marit Björgen hingegen gilt nun endgültig als große Favoritin auf den Gesamtsieg.

Bei den Männern haben sich von den Favoriten beim Auftakt in München nur die Norweger Petter Northug mit Platz 7 und Tor Arne Hetland mit Platz 8 wichtige Zeitgutschriften sichern können. Auf Angerer besitzen sie nun rund eine halbe Minute Vorsprung. Trotzdem sagt Bundestrainer Jochen Behle: „Es ist noch nicht viel passiert.“ Er trauerte allerdings der wegen Schneemangels ausgefallenen ersten Station in Nove Mesto, Tschechien, nach. „Die Sprinter waren dadurch in München ausgeruhter“, sagt Behle.

Alle Läufer schwärmten von dem Erlebnis, im Olympiastadion eine Runde auf Langlaufski drehen zu dürfen. „Die Stimmung war genial“, sagt Evi Sachenbacher-Stehle, „es hat sich angehört, als ob mehr Zuschauer da gewesen wären.“ Tatsächlich verloren sich nur 6500 Langlauf-Fans in der riesigen Arena, was der Anfangszeit von neun Uhr morgens geschuldet sein dürfte. „Diese Zeit ist im Grenzbereich“, sagt Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes, „wer steht schon am Sonntag um sieben Uhr auf, das machen nur die echten Fans.“ Die ARD, die live übertrug, hatte diese frühe Startzeit gefordert.

Bei einer Neuauflage im nächsten Jahr werden die Fans wohl länger schlafen dürfen. „Man sollte überlegen, ob die Uhrzeit die richtige ist“, sagt Olympiapark-Chef Wilfried Spronk. Er hat prominente Unterstützung. „Abends zu laufen wäre günstiger“, sagt auch Behle. Dann könnte unter Flutlicht gelaufen werden, was ein noch eindrucksvolleres Erlebnis für alle Beteiligten wäre. Ein solches Rennen könnte bei Axel Teichmann vielleicht sogar Metallica von Rang eins verdrängen.

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