Sport : Meuterei auf dem Sonnenberg

Der große, starke Mann des Welt-Fußballs ist ins Wanken geraten. Für Joseph Blatter war das von der Verbandsspitze ausgesprochene Misstrauensvotum gegen seine Person mehr als nur ein Denkzettel - es war die schwerste Niederlage seiner 27 Jahre langen Funktionärskarriere und vielleicht sogar der Anfang vom Ende. Mit überwältigender Mehrheit hatten die Fifa-Exekutivmitglieder am Ende des gut dreistündigen Krisengipfels ihrem Vorsitzenden das Vertrauen entzogen und stattdessen durchgesetzt, die finanzielle Situation des Weltverbandes von einer internen Untersuchungs-Kommission prüfen zu lassen.

Schwer geschlagen und kommentarlos verließ der Schweizer zu mitternächtlicher Stunde die Verbandszentrale, erst am nächsten Tag fand er wieder Worte und zu seiner kämpferischen Grundhaltung zurück. "Man wird nichts anderes herausfinden als das, was unsere Wirtschaftsprüfer bereits herausgefunden haben", sagte er und warf seinen Gegnern vor, es ginge ihnen gar nicht um die Sache, sondern nur um seine Entmachtung: "Einige aus den europäischen Verbänden verfolgen eine andere Strategie, als ihr Präsident auch mir gegenüber vorgegeben hat."

Die Opposition frohlockte indes. "Ich bin zufrieden. Es war ein gutes Meeting", sagte der Schwede Lennart Johansson. Der Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) war einer der Drahtzieher, die die Dringlichkeits-Sitzung gefordert hatten, weil sie sich nicht ausreichend über die Fifa-Finanzen und die Konsequenzen aus dem Zusammenbruch des Marketing-Partners ISL informiert fühlten.

Während der Auseinandersetzung in der Verbandszentrale auf dem Züricher Sonnenberg sei es "extrem heiß" hergegangen, sagte ein Exekutiv-Mitglied und berichtete von "heftigen persönlichen Attacken". Sehr schnell sei Blatter offenbar deutlich geworden, dass er an diesem Abend kaum etwas zu gewinnen hatte. Den von der Wirtschafts-Gesellschaft KPMG vorgelegten und von der Fifa-Finanzkommission abgesegneten Buchprüfungsbericht bezeichnete die Opposition noch vornehm formuliert als geschönt. Sie zweifelte in erster Linie Blatters Aussage an, die Folgen aus dem ISL-Bankrott würden 34,5 Millionen Euro nicht übersteigen, sondern vermuten einen Fehlbetrag in dreistelliger Millionenhöhe.

Am Ende liefen sogar Blatter-Vertraute ins Lager der Meuterer über und plädierten für umfassende Aufklärung. In dieser Situation schaffte es der Fifa-Boss mit dem Hinweis auf die Statuten immerhin, sich mit einem Kompromiss-Angebot durchzusetzen, das er bereits Ende Januar in einem Schreiben an die Exekutiv-Mitglieder unterbreitet hatte. Sollte der Wunsch nach einer neuen Kommission bestehen, müsse sie sich ausschließlich mit je einem ranghohen Mitglied aus den sechs Kontinental-Verbänden zusammensetzen.

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